Posted in: Astronomie 7. November 2006 22:45 Weiter lesen →

Nicht aus einem Holz geschnitzt

Unsere Heimatgalaxie und ihre Begleiterinnen scheinen aus unterschiedlichem Material entstanden zu sein. Darauf deuten Beobachtungen einer internationalen Astronomengruppe hin. Die Sterne in vier kleinen Satellitengalaxien der Milchstraße weisen demnach einen anderen chemischen Fingerabdruck auf als ihre hiesigen Vettern.

Diagramme zeigen Verteilung der Eisengehalte in den vier Zwerggalaxien

Die vier Zwerggalaxien weisen nicht nur unterschiedliche Verteilungen der Eisengehalte auf, es fehlt ihnen sogar an besonders metallarmen Sternen. Grafik: ESO

Der Befund stehe nicht im Einklang mit der Theorie, große Galaxien wüchsen letztlich auf Kosten kleinerer Galaxien, erklärt Amina Helmi von der Universität Groningen. „Dies zeigt, dass es vor unserer eigenen Haustür noch reichlich Astronomie zu erledigen gibt.“ Die Forscherin und ihre Kollegen stellen die neuen Ergebnisse im Fachblatt „Astrophysical Journal Letters“ vor.

Die Milchstraße wird von zahlreichen kleinen Galaxien begleitet. Einige dieser Zwerge werden von ihrer großen Schwester förmlich in die Länge gezogen und scheinen allmählich von ihr „gefressen“ zu werden. Helmi und Kollegen testeten nun, wie stark sich solcher Kannibalismus in der Zusammensetzung der Sterne niederschlägt. Dazu nahmen sie an der europäischen Südsternwarte in Chile die Lichtspektren von mehr als 2.000 großen Sternen in vier nahe gelegenen Zwerggalaxien auf und leiteten daraus deren Eisengehalte ab.

Verglichen mit den Sternen im Hof der Milchstraße, dem Halo, fehlen den Zwerggalaxien demnach ausgerechnet die besonders metallarmen Sterne. Dieses Resultat ist umso überraschender, als schwere Elemente in Sternen entstehen und daher im Universum mit der Zeit immer häufiger werden. Daher sollte die Milchstraße weniger metallarme Sterne enthalten als ihre vermutlichen Vorgängerinnen.

„Was wir jetzt brauchen, sind noch eingehendere Studien der Elementhäufigkeit in diesen Systemen“, erklärt Helmi. „Nur so können wir erfahren, was in den frühen Phasen des Universums in unserer Nachbarschaft vorgefallen ist.“

Forschung: Amina Helmi, Kapteyn Instituut, Rijksuniversiteit Groningen; Andreas Kaufer und Thomas Szeifert, ESO Chile; Francesca Primas, ESO Garching; und andere

Veröffentlichung Astrophysical Journal, Vol. 651, 10. November 2006, L121-L124

WWW:
Kapteyn Instituut, Uni Groningen
Homepage Amina Helmi
The Milky Way Galaxy
The Universe within 500.000 Light Years
ESO Very Large Telescope

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Neue Begleiterinnen der Milchstraße entdeckt
Reger galaktischer Kannibalismus

Posted in: Astronomie
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (noch unbewertet)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.