Große Speicher bei Affen und Vögeln
Montag, 6. November 2006, 23:01 • Rubrik Kultur, Psychologie.
Konkurrenz für das sprichwörtliche Elefantengedächtnis: Auch Tauben und Paviane verfügen über ein bemerkenswertes Erinnerungsvermögen, haben ein französischer und ein amerikanischer Neurowissenschaftler ermittelt. Ihren Langzeitversuchen zufolge, können sich die Tiere mindestens 800 bzw. 3.500 Bilder und eine zugehörige Handlung merken.
Die Vergessensrate und die Zuverlässigkeit des Gedächtnisses in Abhängigkeit von der Zeit seien bei beiden Arten ähnlich, berichten Joël Fagot vom Institut de Neurosciences Cognitives de Méditerranée und sein Kollege Robert Cooke von der Tufts University im Fachblatt “Proceedings of the National Academy of Sciences”. Diese Ähnlichkeiten sprächen für die Annahme, “dass 250 Millionen Jahre divergenter Evolution seit der Trennung von Säugetieren und Reptilien hauptsächlich die Gedächtniskapazität verändert haben”.
Fagot und Cooke analysierten Daten, die sie bei Tests mit zwei Tauben und zwei Pavianen gesammelt hatten. Dabei lernten die Tiere, als Reaktion auf ein Bild einen Steuerhebel nach links bzw. rechts zu drücken bzw. auf die entsprechende Seite des Bildschirms zu picken. Im Laufe von drei bzw. fünf Jahren führten die Forscher weitere Bilder ein, fragten aber auch die alten Bilder weiter ab.
Anhand zweier unterschiedlicher Kriterien schätzen die Wissenschaftler, dass die Tauben zwischen 800 und 1.200 unterschiedliche Bilder im Gedächtnis behalten konnten. Die Paviane brachten es sogar auf 3.500 bis 5.000 Bilder, schienen die Grenzen ihres Erinnerungsvermögens allerdings noch nicht erreicht zu haben.
Nach Ansicht Fagots und Cookes tragen die neuen Resultate zu einem besseren Verständnis der geistigen Fähigkeiten und ihrer Evolution bei. Zwar könne konzeptuelles Denken nicht auf das Speichern und Abfragen von Information reduziert werden, schreiben die Forscher. “Des ungeachtet ermöglicht es ein größerer Gedächtnisspeicher, mehr Information zu behalten und irgendwann zu vergleichen. Vielleicht wird es erst dadurch möglich, abstrakte Beziehungen zwischen einzelnen Punkten [...] zu erkennen.”
Forschung: Joël Fagot, Institut de Neurosciences Cognitives de la Méditerranée, CNRS und Université de la Méditerranée, Marseille, und Robert G. Cook, Department of Psychology, Tufts University, Medford, Massachusetts
Online-Veröffentlichung PNAS, DOI 10.1073/pnas.0605184103
WWW:
INCM, Marseille
Avian Visual Cognition Lab, Tufts University
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