Posted in: Biologie, Chemie 4. November 2006 15:55 Weiter lesen →

Konkurrenz lässt Kadaver stinken

Nicht von ungefähr haben ältere Kadaver eine abstoßende Wirkung auf viele Tiere, glauben amerikanische Ökologen. Ihre Experimente belegen, dass auf dem Aas wachsende Bakterien für diesen Effekt verantwortlich sind. Möglicherweise halten die Mikroben so unerwünschte Mitesser auf Abstand.

Foto: Steinkrabbe, von einem Menschen hochgehalten, streckt ihre Scheren der Kamera entgegen und erreicht dabei eine Spannweite von etwa einer Unterarmlänge

Steinkrabben lassen sich von Mikroben den Appetit verderben. Foto: Georgia Tech Image Courtesy of John Parker

Klassischerweise würden Bakterien in Ökosystemen die Rolle von Zersetzern, Krankheitserregern oder mehr oder weniger geliebten Mitbewohnern zugeschrieben, schreiben Mark Hay vom Georgia Institute of Technology und seine Kollegen im Fachblatt „Ecology“. Sie könnten jedoch auch als klassische Konsumenten fungieren, die mit Tieren um Ressourcen wie Aas, Früchte oder Samen konkurrierten.

Inspiriert durch eine dreißig Jahre alte Vermutung, führten die Forscher ihre Experimente in den Salzmarschen an der Ostküste der Vereinigten Staaten durch. Dort beköderten sie Käfige mit Heringen, die frisch aufgetaut worden waren oder einige Tage in warmem Wasser gelegen hatten. Erwartungsgemäß gingen 160 Prozent mehr Steinkrabben und andere Tiere in die Fallen mit frischen Ködern. Eine ähnlich ausgeprägte Präferenz legten die Krebse an den Tag, wenn ihnen die Köderhappen direkt vor die Scheren gegeben wurden.

Keinen Unterschied machten sie dagegen, wenn die Heringe in mit Antibiotika versetztem Wasser gelegen hatten. Die Krebse fraßen derart durchweichten Fisch ebenso gerne wie frisch aufgetauten, berichten Hay und Kollegen. Offenbar erkläre sich die geringe Attraktivität älterer Kadaver also nicht etwa durch den Verlust von Aromastoffen, sondern durch das Wirken der Bakterien. Derzeit arbeiten die Forscher daran, die von den Mikroben produzierten „Schreckstoffe“ zu identifizieren.

Forschung: Deron E. Burkepile, John D. Parker und Mark E. Hay, School of Biology, Georgia Institute of Technology, Atlanta, und andere

Veröffentlichung Ecology, Vol. 87(11), pp 2821-31

WWW:
Homepage Mark Hay
Ökosysteme

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