Medikamente häufig via Toilette entsorgt
2. November 2006 | Druckversion
Immer häufiger werden Wirkstoffe aus Arzneimitteln in Bächen, Flüssen und Grundwasser nachgewiesen. Achtloses Verhalten ist daran nicht ganz unschuldig, haben Frankfurter Wissenschaftler durch eine Befragung von 1.977 Erwachsenen belegen können. Nicht verbrauchte Medikamente werden demnach regelmäßig über Toilette oder Waschbecken “entsorgt”.
Vor allem flüssige Arzneimittel gelangen auf diese Weise in die Umwelt statt in die Apotheke, hat die Gruppe um Florian Keil vom Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt am Main ermittelt. Zu den Gegenmaßnahmen gehörten eine bessere Information über die möglichen Folgen dieses Verhaltens. “Strategien zur Reduktion von Arzneimittelwirkstoffen im Wasserkreislauf müssen aber über eine verbesserte öffentliche Kommunikation hinausgehen.”, betont Keil.
Keil und Kollegen ermittelten, dass bei über 90 Prozent der Befragten Medikamente im Haushalt vorhanden waren. Etwa drei Viertel haben gewisse Entsorgungsroutinen entwickelt und räumen mindestens einmal im Jahr ihre Hausapotheke auf oder bewahren nicht verbrauchte Medikamente gar nicht erst auf. Insgesamt gaben knapp 16 Prozent der befragten Personen an, mitunter Tabletten in die Toilette zu geben.
Flüssige Arzneimittel werden sogar von 43 Prozent der Befragten zumindest gelegentlich in Toilette oder Abfluss geschüttet. Paradoxerweise erklärt sich dieser hohe Anteil auch durch häusliches Engagement im Dienste der Umwelt, fanden Keil und Kollegen: Bevor Glasbehälter im Altglascontainer landen, werden sie gewissenhaft entleert und ausgespült.
Forschung: Florian Keil und Konrad Götz, Institut für sozial-ökologische Forschung, Frankfurt am Main; Gotthard Bechmann, Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse, Forschungszentrum Karlsruhe; und andere
WWW:
Institut für sozial-ökologische Forschung
START - Strategien zum Umgang mit Arzneimittelwirkstoffen im Trinkwasser
Bund-/Länder-Arbeitsgemeinschaft Chemikaliensicherheit
- Arzneimittel in der Umwelt (PDF, 1,6 MB)
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