Forscher tauchen in “Whirlpool-Krater”
31. Oktober 2006 | Druckversion
Auch die relativ seichte Nordsee ist für spektakuläre Erlebnisse gut: Kieler Meeresforscher sind erstmals in einen Krater getaucht, der bei einem Gasausbruch am Meeresgrund entstanden war. Nach dem Abstieg durch in einem wahren Strudel von Methanblasen fanden sie einen dicht besiedelten Kraterboden vor.
“Es war ein Tauchgang in eine andere Welt”, beschreibt Peter Linke vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften die Fahrt. Aus drei Hauptquellen und zahlreichen Nebenquellen sei Gas mit hohem Druck in das Wasser geschossen und habe bizarre Blasenwirbel geformt. Dazwischen hätten sich zahlreiche Blumentiere und andere Organismen angesiedelt, an gemächlicheren Gasaustritten hätten sich weißliche Matten schwefeloxidierender Bakterien gebildet.
Der Krater geht auf einen missglückten Ölbohrversuch im Jahr 1990 zurück. Beim Anstechen eines großen, flachen Reservoirs war es zu einem unkontrollierten Entweichen von Gas gekommen, einem “Blowout”. Die Eruption schuf einen rund 75 Meter weiten und 20 Meter tiefen Krater im Meeresgrund. Linke und Kollegen fanden nun, dass dessen Boden nochmals in zwei breite Becken unterteilt ist. Die Vertiefungen scheinen Fischen Schutz und Nahrung zu bieten, allerdings ist ihr Grund auch von Schalen toter Islandmuscheln übersät.
Normalerweise entließen Gasaustritte am Meeresboden kein Gas direkt in die Atmosphäre, so das Institut in einer Mitteilung. In diesem Fall hätten ein breiter Blasenteppich und eine stark gekräuselte Meeresoberfläche einen unmittelbaren Fluss von Methan angezeigt. Ähnliche Verhältnisse hatte eine deutsch-französische Forschergruppe kürzlich über einem Schlammvulkan in der Tiefsee zwischen Norwegen und Spitzbergen angetroffen.
Foto: J. Schauer, IFM-GEOMAR
Forschung: Jürgen Schauer, Peter Linke und Olaf Pfannkuche, Leibniz-Institut für Meereswissenschaften der Universität Kiel; und andere
WWW:
Leibniz-Institut für Meereswissenschaften
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