Elefant erkennt sich im Spiegel
31. Oktober 2006 | Druckversion
Nur bei wenigen Tierarten können sich Individuen selbst im Spiegel erkennen. Amerikanische Forscher haben nun Hinweise darauf gefunden, dass auch Elefanten zu dieser exklusiven Gruppe gehören. Bei ihren Versuchen mit drei Zootieren tastete zumindest eines nach einem Farbklecks auf seinem Kopf, nachdem es sein Spiegelbild gesehen hatte.

Happy. Foto: PNAS
Schon länger werde vermutet, dass Elefanten über derartige Fähigkeiten verfügen könnten, erklärt Joshua Plotnik von der Emory University in Atlanta. “Ihr komplexes Sozialverhalten, ihr wohlbekanntes altruistisches Verhalten und natürlich ihr großes Hirn machen Elefanten zu logischen Kandidaten für Spiegeltests.” Zu den übrigen erfolgreich getesteten Arten gehören Menschenaffen, Große Tümmler und auch Elstern.
Bisherige Tests mit relativ kleinen Spiegeln außerhalb der Rüsselreichweite waren stets negativ ausgefallen. Plotnik und Kollegen konfrontierten nun drei weibliche Asiatische Elefanten mit einem 2,5 mal 2,5 Meter großen und stabilen Spiegel, den die Tiere ausführlich untersuchen konnten. Nachdem sie dies getan hatten, schienen alle drei Damen das Spiegelbild regelrecht zu testen: So bewegten sie Rüssel, Kopf und Körper immer wieder hin und her oder fraßen eigens herangeschafftes Futter vor dem Spiegel.
Zumindest ein Tier, die 34-jährige Happy, bestand einen besonders strengen Selbsterkennungstest. Plotnik und Kollegen malten der Elefantendame einen hellen Fleck auf die Kopfseite außerhalb ihres Blickfelds. Nachdem sich Happy samt Fleck im Spiegel gesehen hatte, tastete sie immer wieder mit dem Rüssel nach der entsprechenden Kopfseite. Dieses Verhalten blieb aus, wenn die Forscher lediglich eine farblose Flüssigkeit aufgetragen hatten. Bei späteren Versuchen zeigte Happy - ebenso wie ihre Artgenossinnen - allerdings keinerlei Interesse mehr an dem Fleck.
Auch bei den übrigen erfolgreich getesteten Arten beständen nicht immer alle Individuen den Selbsterkennungstest, schreiben Plotnik und Kollegen in den “Proceedings of the National Academy of Sciences”. Ihrer Ansicht nach zeigen die neuen Resultate, dass die Evolution der geistigen Fähigkeiten auf unterschiedlichen Ästen des Tierstammbaums in die gleiche Richtung verlaufen ist.
Forschung: Joshua M. Plotnik und Frans B.M. de Waal, Yerkes National Primate Research Center und Department of Psychology, Emory University, Atlanta; Diana Reiss, Osborn Laboratories of Marine Sciences, Wildlife Conservation Society, Brooklyn, New York
Veröffentlichung PNAS, DOI 10.1073/pnas.0608062103
WWW:
Yerkes National Primate Research Center, Emory University
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