Posted in: Biologie 26. Oktober 2006 13:02 Weiter lesen →

Pumas als Landschaftsgärtner

Raubtiere werden häufig als Übeltäter dargestellt, die über wehrlose Beute herfallen. Tatsächlich spielen die Jäger eine wichtige „gestalterische“ Rolle, belegt eine neue Studie amerikanischer Biologen. Indem sich der Puma aus einem weiten Felstal zurückzog, verschwanden dort auch Überschwemmungsflächen samt ihrer typischen Flora und Fauna.

Illustration zeigt einen Bach und an seinen Ufern schematisch die Landschaft mit bzw. ohne Pumas

Grafik: Oregon State University

Vermittelt wird dieser Effekt durch Hirsche, schreiben William Ripple und Robert Beschta von der Oregon State University im Fachblatt „Biological Conservation“. Mangels Kontrolle hätten Pflanzenfresser in dem Tal eine wahre Kaskade von Veränderungen in Gang gesetzt, die zum Verlust der meisten Pappeln an Fließgewässern und damit zu einer starken Erosion der Ufer geführt habe.

Beschta und Ripple studierten den Fall des Zion Canyon im US-Bundesstaat Utah. Eingeschnitten in den Sandstein des Colorado-Plateau, ist das Tal seit Jahrzehnten ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen. Durch die Besucher gestört, hat sich der Puma (Puma concolor) beinahe vollständig aus dem Gebiet zurückgezogen. In der Folge konnten sich Beutetiere wie der Maultierhirsch (Odocoileus hemionus) stark vermehren und freier bewegen.

Indem die Hirsche Schößlinge von Pappeln (Populus fremontii) fraßen, sank die Dichte der Pappelbestände auf ein Fünfzigstel des Wertes in einem touristisch nicht erschlossenen Nachbartal. „Am Ende steht jedoch nicht nur der Verlust an Bäumen“, betont Beschta. Indem das von den Pappeln gehaltene Schwemmmaterial fortgespült worden sei, „wurden auch viele Sträucher, in Feuchtgebieten lebende Pflanzen, Amphibien, Eidechsen, Wildblumen und sogar Schmetterlinge seltener oder verschwanden völlig.“

„Unsere Dokumentation der Artenhäufigkeit in dieser Studie spricht eine klare Sprache“, ergänzt Ripple. „Die beiden nahe benachbarten Täler haben ein ähnliches Klima und ihre Ökosysteme sollten sich stark ähneln. Tatsächlich sind sie sehr unterschiedlich.“ Ähnlich weitreichende Effekte würden mit dem Verschwinden des Wolfs und anderer Räuber in Verbindung gebracht.

Forschung: William J. Ripple und Robert L. Beschta, Department of Forest Resources, College of Forestry, Oregon State University, Corvallis

Veröffentlichung Biological Conservation, Vol. 133(4), Dezember 2006, pp 397-408, DOI 10.1016/j.biocon.2006.07.002

WWW:
College of Forestry, Oregon State University
Zion National Park
Puma concolor
Maultierhirsch
The Lake Guri Experiment

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