Problematische Tabletten-Teilung
Dienstag, 24. Oktober 2006, 13:20 • Rubrik Medizin.
In Deutschland wird jede vierte Tablette vor der Einnahme geteilt, haben Heidelberger und Göttinger Wissenschaftler ermittelt. Da viele der geteilten Tabletten ihren Wirkstoff nicht wie vorgesehen freisetzen, können sie mitunter eine Gefahr für die Patienten darstellen.
Häufig fehlen jedoch entsprechende Hinweise in Fachinformationen und Beipackzetteln, berichten die Forscher um Renate Quinzler und Walter Haefeli vom Universitätsklinikum Heidelberg im “European Journal of Clinical Pharmacology”. Umgekehrt sei das Teilen in vielen Fällen erforderlich, so Haefeli. Vor allem für Senioren und Kinder ständen Arzneimittel nicht immer in der gewünschten Dosis zur Verfügung. Mitunter würden Tabletten auch geteilt, um Zuzahlungen in der Apotheke zu sparen oder das ärztliche Budget zu entlasten.
Die Wissenschaftler analysierten Fragebögen, in denen 905 ambulant versorgte Patienten Auskunft über ihre Medikamente gegeben hatten. Von den insgesamt etwa 3.200 unterschiedlichen Tabletten und Dragées wurden demnach 24 Prozent vor der Einnahme geteilt. Knapp ein Zehntel davon weist keine Bruchkerbe auf, sodass das Zerteilen schwierig ist. Bei ungefähr vier Prozent sei das Teilen sogar gefährlich für die Patienten, so die Forscher.
“Das Tablettenteilen kann aus mehreren Gründen heikel sein”, erklärt Haefeli. Häufig werde der Tabletteninhalt durch einen Überzug vor Magensaft, Sauerstoff, Licht oder Feuchtigkeit geschützt. Würden solche Tabletten geteilt, könne der Wirkstoff vorzeitig zerstört werden. Umgekehrt könne das Teilen von Tabletten, die ihren Wirkstoff verzögert abgeben sollen, die Freisetzung beschleunigen und damit das Risiko für Nebenwirkungen erhöhen.
In jedem Fall müsse beachtet werden, “dass es gerade für ältere Menschen mit oft eingeschränkter Fingerfertigkeit oder Sehschwäche schwierig ist, Tabletten fachgerecht zu teilen”, so der Pharmakologe weiter. Jeder sechste Patient habe über Probleme beim Tablettenteilen berichtet und vier von fünf Patienten benutzten anstelle eines exakt arbeitenden Tablettenteilers ein Küchenmesser.
Forschung: Renate Quinzler und Walter E. Haefeli, Abteilung Innere Medizin VI: Klinische Pharmakologie und Pharmakoepidemiologie, Medizinische Klinik, Universitätsklinikum Heidelberg; und andere
Veröffentlichung European Journal of Clinical Pharmacology, DOI 10.1007/s00228-006-0202-3, und Therapeutische Umschau, Vol. 63(6), pp 441-7, DOI 10.1024/0040-5930.63.6.441
WWW:
Klinische Pharmakologie und Pharmakoepidemiologie, Uniklinikum Heidelberg
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