Posted in: Astronomie, Raumfahrt 18. Oktober 2006 19:01 Weiter lesen →

Keine Eis-Lager auf dem Mond

Auf dem Mond gibt es wohl doch keine massiven Ansammlungen von Wassereis. Zu diesem Schluss kommen amerikanische und australische Forscher nach neuen Radarbeobachtungen des Erdtrabanten. Die vermeintlichen Eis-Reflexionen nahe des Südpols treten auch an solchen Stellen auf, die regelmäßig von der Sonne beschienen werden.

Mosaik zeigt die Südpolregion des Mondes mit einigen tief im Schatten liegenden Kraterböden

In der Südpolarregion des Mondes, hier ein Mosaik aus Aufnahmen der Sonde Clementine, scheinen einige Kraterböden permanent im Schatten zu liegen. Bild: Courtesy NASA/JPL-Caltech

Des ungeachtet hätten Beobachtungen einer Mondsonde klare Hinweise auf Ansammlungen von Wasserstoff in der Region geliefert, schreiben Donald Campbell von der Cornell University und seine Kollegen im Magazin „Nature“. Daher sei es wahrscheinlich, dass „das Eis lediglich in Form verstreuter Körnchen“ im lockeren Oberflächen-Material des Mondes, dem Regolith, vorliege.

Der Mond ist nur leicht gegen die Ebene der Planeten geneigt, sodass die Böden einiger tiefer, polnaher Krater dauerhaft im Schatten liegen. Schon vor über 40 Jahren war vermutet worden, an solchen Orten könnten sich massive Schichten aus Wassereis finden – eine wertvolle Ressource für künftige Mond-Kolonisten. Erste Radar-Abtastungen solcher Regionen hatten tatsächlich entsprechende Reflexionen geliefert.

Campbell und seine Kollegen gingen nun Befunden nach, denen zufolge auch einige gut beleuchtete Zonen des Mondes solche Reflexionen liefern. Mit Hilfe des gewaltigen Arecibo-Radioteleskops schickten die Forscher Radarsignale zum Mond, fingen die reflektierten Signale mit einem zweiten Radioteleskop in Virginia auf und erstellten so Karten mit einer bislang unerreichten Auflösung von 20 Metern.

Diese Karten bestätigen den Verdacht: Auch am Südpol des Mondes weisen viele von der Sonne beschienene Flächen das vermeintliche Wassereis-Reflexionsmuster auf. Die Forscher vermuten daher, dass dieses Muster vielmehr auf lockeres Geröll zurückgeht, wie es sich bei Hangrutschen im Kraterinnern ansammelt und bei großen Einschlägen über das umliegende Terrain verstreut wird.

Forschung: Donald B. Campbell, Department of Astronomy, Cornell University, Ithaca, New York; Bruce A. Campbell, Center for Earth and Planetary Studies, Smithsonian Institution, Washington, D.C.; Nicholas J.S. Stacy, Defense Science and Technology Organization, Edinburgh, South Australia; und andere

Veröffentlichung Nature, Vol. 443, 19. Oktober 2006, pp 835-7, DOI 10.1038/nature05167

WWW:
Cornell Astronomy
The Moon
Ice on the Moon
Arecibo Observatory
Introduction to Planetary Radar

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Wettgraben für Mondstation
Permanente Beleuchtung am Mond-Nordpol
Mondstaub kann Solarzellen tragen

Posted in: Astronomie, Raumfahrt
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (noch unbewertet)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.