Posted in: Chemie, Vermischtes 18. Oktober 2006 15:29 Weiter lesen →

Forscher erklären Eisen-Geruch

Wer nach einem Werkzeug greift oder Münzen in die Hand nimmt, hat häufig einen typisch metallischen Geruch in der Nase. Für diesen „Eisen-Geruch“ ist das Metall allerdings nur indirekt verantwortlich, hat eine deutsch-amerikanische Forschergruppe nachweisen können. Vielmehr geht er auf Hautverbindungen zurück, die von dem Eisen zersetzt und in kleinere, flüchtige Moleküle überführt werden.

„Diese schnelle Reaktion erzeugt die sensorische Illusion, dass wir unmittelbar nach der Berührung das ‚Metall an sich‘ riechen“, erklären die Forscher um Dietmar Glindemann vom Virginia Polytechnic Institute und vom Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle. Ihre Resultate stellen sie im Fachblatt „Angewandte Chemie“ vor.

Glindemann und Kollegen konnten den charakteristisch muffigen Geruch erzeugen, indem sie metallisches Eisen, Stahl oder eine Lösung von mäßig stark oxidierten Eisen(II)-Salzen auf die Handflächen ihrer Versuchspersonen gaben. Mit stärker oxidierten Eisen(III)-Salzen gelang dies nicht.

Die Analysen der Forscher ergaben, dass der Eisen-Geruch vorrangig durch einen kleinen Kohlenwasserstoff hervorgerufen wird. Dieses 1-Octen-3-on macht etwa ein Drittel aller beim Metallkontakt freigesetzten flüchtigen Verbindungen aus. Gemeinsam mit seinen geruchsintensiven Verwandten entsteht es vermutlich, wenn Eisenionen mit Lipidperoxiden der Haut reagieren. Die Eisenionen werden wiederum vom Handschweiß aus dem Metall gelöst.

Ähnliche Geruchsstoffe würden freigesetzt, wenn eisenhaltiges Blut in Kontakt mit der Haut komme, so die Forscher. Daher sei es vorstellbar, dass der empfindliche Eisen-Riecher dem Menschen und seinen Vorfahren ursprünglich zum Aufspüren verwundeter Beute gedient habe.

Forschung: Dietmar Glindemann und Andrea M. Dietrich, Department of Civil and Environmental Engineering, Virginia Polytechnic Institute and State University, Blacksburg, und Institut für Tierhygiene und Öffentliches Veterinärwesen, Universität Leipzig; Hans-Joachim Staerk und Peter Kuschk, UFZ-Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle, Leipzig

Veröffentlichung Angewandte Chemie, Vol. 118(42), pp 7163-6, DOI 10.1002/ange.200602100

WWW:
Civil and Environmental Engineering, VT
UFZ-Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle
Eisen

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