Posted in: Astronomie, Geologie 11. Oktober 2006 10:59 Weiter lesen →

Astronomen erklären einsame Venus

Die Venus fällt im Sonnensystem durch ihre ungewöhnliche Rotation und durch das Fehlen eines Mondes auf. Ein amerikanisches Astronomenduo hat nun eine Theorie entwickelt, die beide Faktoren zu erklären vermag. Demnach kam die junge Venus durch einen gewaltigen Einschlag sehr wohl zu einem Mond, verlor ihn jedoch kurze Zeit später durch einen zweiten Einschlag.

3D-Ansicht eines Venusvulkans, gelb-orange getöntes Terrain mit erstarrten Lavaströmen, schwarzer Himmel

Vulkane zeugen von der geologischen Aktivität der Venus. Hier eine aus Radardaten berechnete Ansicht des rund acht Kilometer hohen Maat Mons und seiner Lavafelder. Bild: Courtesy NASA/JPL-Caltech

Astronomen nehmen an, dass sich der Mond der Erde aus den Trümmern eines gewaltigen Einschlags bildete. „Ausgehend von derzeitigen Theorien über die Entstehung des Sonnensystems, erscheint es als höchst unwahrscheinlich, dass die Venus einer solchen großen Kollision entgangen sein sollte“, erklären Alex Alemi und David Stevenson vom California Institute of Technology. Ihre Theorie stellten die Forscher auf einer Fachtagung in Pasadena vor.

Das Duo nimmt an, dass auch die Venus vor Jahrmilliarden schwer getroffen wurde und dass die Einschlagtrümmer in der Folge zu einem Mond „verklumpten“. Einige Millionen Jahre später sollte erneut ein großes Objekt auf dem Planeten eingeschlagen sein und dessen Rotationsrichtung umgekehrt haben. Ursprünglich von seinem eigenen Gezeitenbuckel auf der Venus beschleunigt und auf eine immer weitere Umlaufbahn gezogen, wurde der Mond nun durch den gleichen Mechanismus abgebremst – und verschmolz schließlich wieder mit seinem Planeten.

Da sich die Venus nur alle 243 Tage einmal um sich selbst dreht, dauert ein Venustag sogar etwas länger als ein Venusjahr. Zudem dreht sich der Planet entgegen seiner Umlaufrichtung um die Sonne, von Ost nach West. Das neue Szenario könne dieses merkwürdige Verhalten ebenfalls erklären, so Alemi und Stevenson. Allerdings dürfe es schwierig sein, einen entsprechend Beweis zu führen, räumen die Forscher ein. Klare geophysikalische oder geologische Spuren der gewaltsamen Vorgänge dürften heute kaum noch zu finden sein.

Forschung: Alex Alemi und David J. Stevenson, Division of Geological & Planetary Sciences, California Institute of Technology, Pasadena

Präsentation auf dem 38th Annual Meeting of the Division of Planetary Sciences of the American Astronomical Society, Pasadena; #7.03

WWW:
Homepage David Stevenson
Venus
Als der Mond aufging

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