Posted in: Astronomie 5. Oktober 2006 10:56 Weiter lesen →

Die Sonne war kein Einzelkind

Die Sonne wurde nicht als Einzelkind in einem öden Winkel der Milchstraße geboren, sondern besaß zahlreiche Geschwister. Das leiten amerikanische Astronomen aus Daten über urtümliche Meteoriten ab. Darin enthaltene Produkte einer Supernova-Explosion belegen ihrer Ansicht nach, das die Sonne in einem Sternhaufen entstand, dessen Mitglieder sich später in alle Himmelsrichtungen zerstreuten.

„Diese Supernova war unglaublich nahe – sehr viel näher an der Sonne als irgendein heutiger Stern“, erklärt Leslie Looney von der University of Illinois, Urbana-Champaign. Bei der Explosion seien radioaktive Isotope produziert und ins All geschleudert worden. Ein Teil davon sei auch in jenen Nebel aus Gas und Staub gelangt, aus dem die Sonne und später ihre Planeten und kleineren Begleiter entstanden.

Die radioaktive „Prise“ aus Eisen-60, Aluminium-26 und anderen Isotopen sollte umso stärker gewesen sein, je gewaltiger die Supernova und je geringer ihr Abstand zum solaren Urnebel war. Looney und Kollegen erfassten diesen Zusammenhang mit einem einfachen Modell. Dieses wandten sie auf Messungen der entsprechenden Isotope bzw. ihrer Zerfallsprodukte in kohligen Chondriten an, einer Klasse urtümlicher Meteoriten. Das verblüffende Resultat: Der Abstand der Supernova dürfte lediglich 0,06 bis 5,2 Lichtjahre betragen haben. Zum Vergleich: Heute sind die nächsten Nachbarsterne etwa 4,2 bis 4,4 Lichtjahre von der Sonne entfernt.

Eine derart nahe Supernova sei mit der Vorstellung eines im All isolierten präsolaren Nebels nur schwerlich vereinbar, schreiben die Forscher demnächst im Fachblatt „Astrophysical Journal“. Sollte die Häufigkeit der Zerfallsprodukte tatsächlich durch eine Supernova beeinflusst worden sein, müsse die Sonne in einer Gruppe hunderter oder tausender kleiner Sterne in der Umgebung massereicher Vettern entstanden sein.

Dieses Resultat lasse auf die Entdeckung von Planeten bei vielen weiteren Sternen hoffen, so Looney weiter. „Nun wissen wir, dass das neugeborene Sonnensystem nicht nur in einem Sternhaufen geboren wurde, sondern auch die Auswirkungen einer Sternexplosion überlebte. Dies lässt vermuten, dass Planetensysteme bemerkenswert robust und selbst in den turbulentesten Brutstätten an der Tagesordnung sind.“

Forschung: Leslie W. Looney, John J. Tobin und Brian D. Fields, Department of Astronomy, University of Illinois at Urbana-Champaign

Zur Veröffentlichung akzeptiert von Astrophysical Journal; Preprint astro-ph/0608411

WWW:
Homepage Leslie Looney
Evolution of Our Solar System
Supernova Debris in the Solar System
Einteilung der Meteorite

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
„Urmaterie“ in Meteoriten
Mögliche Planetenentstehung bei Braunen Zwergen

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