Planetare Extremisten
Mittwoch, 4. Oktober 2006, 20:02 • Rubrik Astronomie.
Die Entdeckung der bislang extremsten Planeten vermeldet eine internationale Forschergruppe im Magazin “Nature”. Die Welten rasen in derart geringem Abstand um ihre Sterne, dass ein Jahr auf einigen von ihnen weniger als einen Erdtag dauert.

Hubble-Aufnahme des durchmusterten Himmelsausschnitts im Sternbild Schütze. Die grünen Kreise markieren die Zentralgestirne der ultra-kurzperiodischen Planeten. Bild: NASA, ESA, K. Sahu (STScI)
Die planetaren Extremisten finden sich im zentralen Wulst der Milchstraße und umkreisen Sterne, die deutlich weniger Masse besitzen als die Sonne und daher auch weniger intensiv strahlen. Vermutlich sei dies der Grund dafür, dass die Planeten nicht längst verdampft seien, vermuten Kailash Sahu vom Space Telescope Science Institute und seine Kollegen.
Die Forscher fanden die neuen Planeten, als sie rund 180.000 Zwergsterne mit Hilfe des Weltraumteleskops Hubble auf regelmäßige Helligkeitsschwankungen untersuchten. Tatsächlich zeigten über 180 Sterne solche Schwankungen, wie sie von einem durch die Sichtlinie zur Erde ziehenden Begleiter hervorgerufen werden können. Lediglich in 16 Fällen scheint es sich sich bei diesen Begleitern nicht um andere Sterne zu handeln, sondern um Planeten vom Kaliber des Jupiter.
Der extremste der vermutlichen Planeten benötigt lediglich 0,4 Erdtage für einen Umlauf um einen Stern, der etwa 44 Prozent der Sonnenmasse besitzt. Die Oberflächen der beiden Objekte sind dabei kaum 900.000 Kilometer voneinander entfernt. Zum Vergleich: Selbst der innerste Planet des Sonnensystems, der Merkur, hält einen 65-mal größeren Abstand.
Nach Ansicht Sahus und seiner Kollegen sind die neuen “ultra-kurzperiodischen Planeten” durchaus vergleichbar mit den “Heißen Jupitern” – ebenfalls imposanten Planeten, die jedoch auf etwas weiteren Bahnen um Sterne mit mehr Masse ziehen. Beide Typen von Planeten besetzten vielleicht die engsten Umlaufbahnen, die um einen Stern gegebener Strahlungsintensität dauerhaft möglich seien, so die Forscher.
Forschung: Kailash C. Sahu und Stephen Lubow, Space Telescope Science Institute, Baltimore, Maryland; Dante Minniti, Departamento de Astronomía y Astrofísica, Universidad Catolica de Chile, Santiago; Alvio Renzini, INAF-Osservatorio Astronomico di Padova; und andere
Veröffentlichung Nature, Vol. 443, 5. Oktober 2006, pp 534-40, DOI 10.1038/nature05158
WWW:
Space Telescope Science Institute
- Homepage Kailash Sahu
Extrasolar Planets Encyclopaedia
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