Posted in: Geologie 29. September 2006 12:39 Weiter lesen →

Forscher finden „nackte“ Meeresregion

Der Grund der Meere ist normalerweise von einer dicken Sedimentschicht bedeckt. Eine bemerkenswerte Ausnahme haben amerikanische Geowissenschaftler im Pazifik gefunden. Seit der Kreidezeit hat sich dort auf einer Fläche von der Größe Westeuropas kaum Material abgelagert, sodass das Krustengestein praktisch nackt daliegt.

Die etwa zwei Millionen Quadratkilometer große Zone „dürfte der einzige Ort in den Weltmeeren sein, wo Basalt seit bis zu 80 Millionen Jahren dem Meerwasser ausgesetzt ist“, schreiben die Forscher um David Rea von der University of Michigan im Fachblatt „Geology“. Ihre Entdeckung spreche für stabile Umweltbedingungen in der Region seit der Zeit der Dinosaurier.

Rea und Kollegen entdeckten die ungewöhnliche Region bei einer Forschungsfahrt, die sie von Tahiti durch das südwestpazifische Becken führte. Ihre Sonarmessungen und Bohrkerne zeigten, dass der dortige Meeresgrund zwischen 28 und 42 Grad südlicher Breite bestenfalls von einigen Dezimetern feinen Lehms bedeckt ist. Außerhalb des Gebiets findet sich dagegen die übliche, bis zu 250 Meter mächtige Sedimentschicht aus organischem und anorganischem Material.

Die „Nacktheit“ des 34 bis 85 Millionen Jahre alten Meeresbodens lasse sich nur durch eine seltene Kombination von Umweltfaktoren erklären, schreiben die Forscher. Einerseits dürfe die biologische Produktivität in der Region niemals besonders hoch gewesen sein. Andererseits müsse der Meeresboden stets unterhalb jener Tiefe gelegen haben, in der sich Kalk- und Silikatschalen von Lebewesen vollständig im Meerwasser auflösten. Und schließlich dürften Wind und Strömungen weder Staub aus den australischen Wüsten im Westen noch Mineralien vom ostpazifischen Rücken im größeren Umfang in das Gebiet getragen haben.

Das Auftreten von ein oder zwei dieser Faktoren in einem Meeresgebiet sei nicht ungewöhnlich, so die Forscher. Das Zusammenwirken aller vier Faktoren über einen derart langen Zeitraum mache die Region im Südwestpazifik jedoch einzigartig.

Forschung: David K. Rea und James D. Gleason, Department of Geological Sciences, University of Michigan, Ann Arbor; Mitchell W. Lyle und Lee M. Liberty, Center for the Geophysical Investigation of the Shallow Subsurface, Boise State University, Boise, Idaho; und andere; Veröffentlichung in „Geology“, Vol. 34(10), pp 873-6, DOI 10.1130/G22864.1

WWW:
Department of Geological Sciences, University of Michigan
Ocean Sediments
Tiefsee und die CCD
Meeresströmungen

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