Top

Jahresringe verraten Wirbelstürme

19. September 2006 |

Einige Forscher gehen davon aus, dass im Zuge der globalen Erwärmung auch die Zahl oder Intensität tropischer Wirbelstürme steigt. Alte Bäume können bei der Klärung dieser Frage helfen, glauben amerikanische Forscherinnen. Ihrer Untersuchung zufolge, hinterlassen Hurrikane ihre Spur in der Zusammensetzung des Holzes.

Aus Naturschutzgebieten geborgene Baumstämme oder Bohrkerne davon könnten daher Aufschluss über die Wirbelsturm-Aktivität der letzten fünf bis sechs Jahrhunderte geben, hoffen Dana Miller und Claudia Mora von der University of Tennessee und ihre Kolleginnen. Ihre Resultate präsentieren sie im Fachblatt “Proceedings of the National Academy of Sciences”.

Die Methode beruht auf der Beobachtung, dass Regen aus Wirbelstürmen, wenn diese das Land erreicht haben, relativ wenig schweren Sauerstoff-18 enthält. Gerade bei flach wurzelnden Bäumen sollte sich diese Besonderheit auch im Holz widerspiegeln, so die Überlegung der Forscherinnen. Um diese Idee zu testen, zerlegten sie bis zu 220 Jahre altes Holz von Sumpfkiefern in seine Jahresringe und diese wiederum in Früh- und Spätholz. Letzteres wird in jenen Monaten gebildet, in denen auch die meisten Hurrikane im Atlantik auftreten.

Tatsächlich ergab sich eine gute Übereinstimmung zwischen den Messwerten und Wetterdaten der Jahre 1940-1990: In neun von zehn Jahren mit einem unerwartet niedrigen Verhältnis von schwerem zu leichtem Sauerstoff im Spätholz waren Wirbelstürme in maximal 400 Kilometern Entfernung an den Kiefern vorbeigezogen oder hatten sie mit reichlich Niederschlag bedacht.

Durch dieses Resultat bestärkt, stellen Mora und Kolleginnen Schlussfolgerungen über Wirbelstürme seit 1770 an. Im Zeitraum bis 1855 bzw. von 1855 bis 1940 erlebte die Region am Ansatzpunkt der Halbinsel Florida demnach 25 bzw. 22 Hurrikan-Jahre. Tatsächlich würden in historischen Berichten besonders schwere Wirbelstürme erwähnt, schreiben die Forscherinnen. Besonders verlässliche Aussagen erwarten sie sich von einer noch feineren Unterteilung der Jahresringe, da sich die Isotopensignatur eines Wirbelsturms im Bodenwasser binnen Wochen wieder verflüchtigt.

Forschung: Dana L. Miller und Claudia I. Mora, Department of Earth and Planetary Sciences, University of Tennessee, Knoxville; und andere; Veröffentlichung in PNAS, DOI 10.1073/pnas.0606549103

WWW:
Homepage Claudia Mora
Jahresringe
Archive of Hurricane Seasons
If Rocks Could Talk…

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Neue Rekordschäden durch extremes Wetter
Zerstörungskraft von Wirbelstürmen gestiegen

Bottom