Posted in: Ernährung, Medizin 19. September 2006 12:23 Weiter lesen →

Eine Schnellstraße im Magen

Nahrung wird im Magen nicht einfach in der verspeisten Reihenfolge bearbeitet. Amerikanische und schwedische Forscher haben entdeckt, dass es im Magen eine regelrechte Schnellstraße gibt. Auf dieser Straße können Nahrungspartikel binnen Minuten durch den Magen in den Darm geschleust werden.

Bislang sei man davon ausgegangen, dass die Partikel den Magen in der gleichen Reihenfolge wieder verließen, in der sie in ihn hineingelangt seien, erklärt James Brasseur von der Pennsylvania State University. Die neuen Resultate könnten erklären, warum der Wirkungseintritt bei einigen Medikamenten stark variiere, schreiben der Forscher und seine Kollegen im „Journal of Biomechanics“.

Auf die Expressroute stießen die Wissenschaftler bei Computersimulationen und Kernspin-Untersuchungen des menschlichen Magens. Dabei interessierten sie sich besonders für die Arbeit der Muskulatur in der Magenwand. Deren Kontraktionen zerkleinern und durchmischen den Speisebrei und treiben ihn vom Ausgang der Speiseröhre durch die unterschiedlichen Abschnitte des Magens bis hin zum Eingang in den Zwölffingerdarm.

Als die Forscher die Bewegung einzelner simulierter Partikel genauer verfolgten, stellten sie erstaunliche Unterschiede fest. In einem schmalen Bereich in der Mitte des Magens waren die Teilchen erstaunlich schnell unterwegs. Einige von ihnen benötigten für den Weg vom oberen Abschnitt des Magens, dem Fundus, bis zum Magenausgang lediglich zehn Minuten. Solche nahe der Magenwand können für den gleichen Weg dagegen Stunden brauchen.

Diese Entdeckung sei besonders für die Entwicklung von Medikamenten wichtig, erklärt Brasseur. Je nachdem, wo eine Tablette oder Kapsel nach der Einnahme im Magen lande, könne ihr Wirkstoff sehr rasch und in hoher Konzentration oder aber langsam und gleichmäßig in den Dünndarm gelangen. „Nun, da wir um die Existenz dieser Straße wissen, können vielleicht Pillen mit einer besonders hohen Dichte entwickelt werden, die am Grund des Magens liegen, abseits der Straße, und ihren Wirkstoff langsam freisetzen.“

In Anlehnung an einen deutschen Begriff, den ein amerikanischer Anatom geprägt hatte, sprechen Brasseur und Kollegen von einer „Magenstraße“. Damit ist jedoch eigentlich ein System von Längsfalten in der Magenwand gemeint, das den kürzesten Weg zwischen Mageneingang und -ausgang darstellt.

Forschung: Anupam Pal und James G. Brasseur, Department of Mechanical and Bio Engineering, Pennsylvania State University, University Park; Bertil Abrahamsson, Astra Zeneca, Mölndal; Veröffentlichung „Journal of Biomechanics“, DOI 10.1016/j.jbiomech.2006.06.006

WWW:
Brasseur Lab
Magen
Arzneimittelaufnahme in den Körper

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