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Süßwasserflut am Ende der Eiszeit

15. September 2006 10:49

Am Ende der letzten Vereisung Europas ergossen sich gewaltige Mengen von Süßwasser in den Nordatlantik. Das schließt eine französisch-niederländische Forschergruppe aus der Analyse eines Bohrkerns vom Meeresgrund. Indem der Eispanzer schrumpfte, kam es zum raschen Anschwellen eines großen Flusssystems, dessen Mündung vor dem Ausgang des heutigen Ärmelkanals lag.

“Das abrupte Abfluss-Ereignis zum Beginn des Eisrückzugs in Europa ist einzigartig im Hinblick auf seine Größenordnung und seinen zeitlichen Verlauf”, schreiben die Forscher um Guillemette Ménot und Edouard Bard vom CEREGE-Forschungszentrum in Aix-en-Provence im Magazin “Science”. Nun gelte es zu klären, ob und wie sich dieses Ereignis auf Ozean und Klima ausgewirkt habe.

Vor etwa 20.000 Jahren lag Nordwesteuropa von den britischen Inseln bis nach Skandinavien unter einem Eisschild. Da der Weg in die Nordsee blockiert war, floss das Wasser aus Rhein, Themse, Seine und anderen Flüssen durch den heutigen Ärmelkanal nach Westen. Die Entwicklung dieses “Kanalflusses” konnten die Forscher anhand eines Bohrkerns nachvollziehen, der im Golf von Biskaya aus fast 2.200 Metern Wassertiefe gezogen worden war.

In dem alten Sediment zeichnen sich deutliche Veränderungen ab, berichtet die Gruppe. So stieg der Anteil organischen Materials, der von Bakterien im Boden und in Mooren stammt, im Zeitraum vor 19.000 bis 17.000 Jahren mehrmals stark an und fiel dann wieder ab. In den gleichen Abschnitten des Bohrkerns finden sich auch besonders viele Überreste von Süßwasseralgen. Offenbar nahm die Wasserführung in dem Flusssystem rapide zu, als der Eispanzer schmolz und das Klima allmählich wieder feuchter wurde. Dass die Böden anfänglich noch gefroren waren, dürfte den Süßwasserpuls noch verstärkt haben.

Erst kürzlich hatten Modellrechnungen ergeben, dass sich die Zirkulation im Nordatlantik und damit auch das Klima in der Region deutlich veränderten, als sich nordamerikanische Eisseen über die Hudsonbai in Atlantik entleerten. Weitere Untersuchungen müssten nun zeigen, ob die europäische Süßwasserflut ähnliche Folgen gehabt habe, so die Forscher.

Forschung: Guillemette Ménot und Edouard Bard, Centre Européen de Recherche et d’Enseignement des Géosciences de l’Environnement (CEREGE), UMR 6635, Collège de France, UMR 6635, CNRS Université Aix-Marseille III, Aix-en-Provence; Jaap S. Sinninghe Damsté, Department of Marine Biogeochemistry and Toxicology, Royal Netherlands Institute for Sea Research, Den Burg; und andere; Veröffentlichung in “Science”, Vol. 313, 15. September 2006, pp 1623-5, DOI 10.1026/science.1130511

WWW:
CEREGE
- Equipe de géochimie organique et isotopes stables
Royal Netherlands Institute for Sea Research
History of the northwest European rivers during the past three million years
Last Glacial Maximum

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