Väter bremsen Reifung der Töchter
13. September 2006 11:12
Mädchen erreichen die Pubertät schneller, wenn sie nicht in einem Haushalt mit ihrem leiblichen Vater leben. Das haben zwei amerikanische Forscher bei der Analyse der Daten von knapp 2.000 jungen Frauen ermittelt. Ihrer Ansicht geht der Effekt auf ein altes biologisches Programm zur Vermeidung von Inzucht zurück.
“Biologische Väter produzieren chemische Signale, die hemmend auf ihre Töchter wirken”, erklärt Robert Matchock von der Pennsylvania State University. Dieses Phänomen sei bereits bei mehreren Tierarten beobachtet und für den Menschen zumindest diskutiert worden. Doch erst kürzlich habe man im menschlichen Erbgut das Gen für einen Duftstoff-Rezeptor entdeckt, der eine Verbindung zwischen Pheromonen und dem Menstruationszyklus hergestellt habe.
Matchock und seine Kollegin Elizabeth Susman analysierten Daten von 1.938 College-Studentinnen, die Auskunft über ihre erste Regelblutung und ihr soziales Umfeld gegeben hatten, etwa über die Größe und Zusammensetzung ihrer Familie. In Abwesenheit des biologischen Vaters tritt die erste Regelblutung demnach gut drei Monate früher ein, berichtet das Duo im “American Journal of Human Biology”. Das Zusammenleben mit älteren Schwestern ging dagegen mit einer etwas späteren Menarche einher.
Auch hatten in der Stadt lebende Mädchen ihre erste Regelblutung früher als solche auf dem Land. Matchock vermutet, dass die städtische Umwelt mehr Gelegenheiten bietet, sich aus dem sprichwörtlichen Dunstkreis des Vaters zu entfernen und chemischen Signalen fremder Männer auszusetzen. “Es ist möglich, dass ein anregendes urbanes Umfeld den dämpfenden Einfluss der Eltern abschwächt”, so der Forscher.
Forschung: Robert L. Matchock, Department of Psychology, Pennsylvania State University, Altoona, und Elizabeth J. Susman, Departmen of Biobehavioral Health, Pennsylvania State University, University Park; Veröffentlichung “American Journal of Human Biology”, Vol. 18(4), pp 481-91, DOI 10.1002/ajhb.20508
WWW:
Department of Psychology, Pennsylvania State University
Homepage Elizabeth Susman
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