Autismus-Risiko steigt mit Alter des Vaters
Dienstag, 5. September 2006, 14:41 • Rubrik Medizin.
Mit dem Alter des Vaters steigt das Risiko, dass sein Kind Autismus oder eine ähnliche Störung entwickelt. Das haben amerikanische Mediziner im Rahmen einer groß angelegten Studie ermittelt. Bei über 40 Jahre alten Vätern ist das Risiko demnach beinahe fünfmal höher als bei Vätern unter 30, während das Alter der Mutter keine Rolle zu spielen scheint.
Zwar müssten die Resultate durch weitere Untersuchungen bestätigt werden, schreiben die Forscher um Abraham Reichenberg von der Mount Sinai School of Medicine, New York, im Fachblatt “Archives of General Psychiatry”. “Wir glauben jedoch, dass unsere Studie die ersten überzeugenden Belege dafür liefert, dass das Alter des Vaters ein Risikofaktor für Störungen aus dem autistischen Spektrum ist.”
Reichenberg und seine Kollegen analysierten Daten über 318.506 Jugendliche, die in den 80er-Jahren in Israel geboren und im Alter von 17 Jahren gemustert worden waren. Für rund 132.000 dieser jungen Männer und Frauen lagen Daten über das Alter von Vater und Mutter vor, für die übrigen war nur das Alter des Vaters erfasst.
In der Gruppe mit höchstens 29 Jahre alten Vätern wiesen 6 von 10.000 Jugendlichen Autismus oder eine verwandte Störung auf. War der Vater 30 bis 39 Jahre bzw. 40 bis 49 Jahre alt, lag die Häufigkeit bei 9 bzw. 32 je 10.000. Für letztere Gruppen berechnen die Mediziner unter Berücksichtigung weiterer Faktoren ein um 62 bzw. 475 Prozent erhöhtes Risiko.
Eine mögliche Ursache für den Risiko-Anstieg könnte sein, dass sich in den väterlichen Keimzellen im Laufe der Zeit Mutationen ansammeln oder die elterliche Prägung der Gene verändert, schreiben Reichenberg und Kollegen. Sollte diese Vermutung zutreffen, könnte die Aufklärung des Zusammenhangs neue Einsichten in die genetischen Grundlagen der Entwicklungsstörungen liefern.
Die Häufigkeit von Störungen aus dem autistischen Spektrum ist in den letzten Jahrzehnten stark gestiegen. Dieser Effekt wird zum Teil auf eine veränderte Diagnose zurückgeführt. Die neuen Resultate ließen es jedoch denkbar erscheinen, dass das steigende Alter der Väter ebenfalls zu dem Phänomen beitrage, so die Mediziner.
Forschung: Abraham Reichenberg und Michael Davidson, Department of Psychiatry, Mount Sinai School of Medicine, New York; und andere; Veröffentlichung “Archives of General Psychiatry”, Vol. 63, pp 1026-32
WWW:
Department of Psychiatry, Mount Sinai School of Medicine
Autismus
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