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Vor 70.000 Jahren blühte die Sahara

30. August 2006 |

Die Sahara war nicht immer eine lebensfeindliche Wüste. Ausgerechnet in ihrer trockensten Zentralregion, dem Sandmeer Ubari in der südlibyschen Provinz Fessan, entdeckten britische Wissenschaftler eine Vielzahl ausgetrockneter Seen. Sie enthalten tierische und pflanzliche Überreste, die bezeugen, dass die heutige Einöde einst eine blühende Savanne war.

Der Geograf Kevin White von der Universität Reading und der Archäologe David J. Mattingly von der Universität Leicester untersuchten die eingetrockneten Seen mit moderner Radarsatellitentechnik. In den multispektralen Aufnahmen des Landsat Thematic Mapper entdeckten sie kalkhaltige Salzkrusten, die von den früheren Gewässern übrig geblieben sind. Auch auf gewöhnlichen Radarbildern geben sich die glatten, ebenen Strukturen als helle, stark reflektierende Flächen zu erkennen. Indem die Forscher die Sedimentschichten und Tierfossilien in diesen einstigen Feuchtgebieten mit verschiedenen Methoden datierten, konnten sie die Klimageschichte der Sahara in den letzten 200.000 Jahren rekonstruieren.

An den Ufern der versunkenen Seen fanden sich zudem zahlreiche Überreste menschlicher Gerätschaften. Demnach soll es mindestens zwei getrennte Siedlungsphasen gegeben haben: Vor 200.000 bis 70.000 Jahren lebten altsteinzeitliche Jäger und Sammler im Bereich der Zentralsahara. Seeablagerungen, Pollen und andere Klimaindikatoren lassen darauf schließen, dass damals größere Gewässer in der Region existierten. Es war nach Aussage der Forscher eine weitgehend grüne Landschaft mit einer reichhaltigen Palette an Groß- und Kleinwild.

Vor 70.000 Jahren begann die Region erstmals auszutrocknen. Aus der folgenden Phase, die bis vor 12.000 Jahren andauerte, gibt es keine Spuren menschlicher Besiedlung. Doch dann kehrten die Regenfälle und mit ihnen der Mensch zurück, wie mittel- und jungsteinzeitliche Werkzeuge belegen. Die Entdeckungen von White und Mattingly werden in der September-Ausgabe der Zeitschrift “Spektrum der Wissenschaft” vorgestellt.

Vor 5.000 Jahren schließlich trockneten die Seen erneut aus, und die Savanne wurde endgültig zur Wüste. Den Felszeichnungen nach zu schließen gingen die Menschen jener Zeit zu einem Hirtendasein über. Längerfristig konnten sie in der Landschaft freilich nur durch eine tiefgreifende Veränderung überleben: den Übergang zur Ackerbauernkultur mit Städten und Dörfern. Diese Transformation fiel mit dem Aufstieg des Reichs der Garamanten zusammen. Dieses Volk beherrschte zwischen etwa 500 v. Chr. und 500 n. Chr. die Oasen im Fessan und somit die Handelsstraßen zwischen der afrikanischen Welt südlich der Sahara und dem Mittelmeer. Ruinen von imposanten Wohnhäusern, Tempeln, öffentlichen Gebäuden und Grabdenkmälern in der Hauptstadt Garama lassen seine Macht und Bedeutung erahnen.

Um das Jahr 500 n. Chr. brach das Reich der Garamanten zusammen. Arabische Eroberer führten die Oasen-Landwirtschaft in geringerem Umfang und mit primitiveren Methoden über das Mittelalter hinweg fort.

Veröffentlichung in “Spektrum der Wissenschaft”, Ausgabe September 2006

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