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Vögel: Stadt macht resistent gegen Stress

30. August 2006 | Druckversion

Stadtvögel sind gegen akuten Stress resistenter als ihre Artgenossen aus den Wäldern. Das haben Max-Planck-Forscher an Amseln nachgewiesen. Die Ornithologen vermuten genetische Hintergründe: Urbane Selektionsfaktoren könnten Stadtamseln abgehärtet haben.

Amsel-Junges
Flügges Amsel-Junge. Foto: Ingo Teich / MPI für Ornithologie

Jesko Partecke und seine Kollegen vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Andechs haben junge Amseln aus München und einem 40 Kilometer von München entfernten Waldgebiet von Hand aufgezogen und beide Gruppen über einen Zeitraum von einem Jahr zusammen in einem Vogelraum gehalten. Die Tiere lebten somit unter exakt denselben kontrollierten Umweltbedingungen.

Im ersten Herbst und im ersten Winter sowie im ersten Frühjahr setzte Partecke die Stadt- und Waldamseln jeweils unter gleichen Bedingungen einer akuten Stresssituation aus. Dann wurden Blutproben genommen, um die Konzentration von Kortikosteron, dem Stresshormon von Vögeln, zu bestimmen. Unter stressfreien Bedingungen unterschieden sich Stadt- und Waldamseln nicht in ihrer Korikosteron-Ausschüttung. Auch zeigten beide Gruppen eine ähnlich akute hormonelle Stress-Antwort während ihres ersten Herbstes. Dies änderte sich jedoch drastisch während des ersten Winters und des ersten Frühjahrs: Stadtamseln zeigten nun eine deutlich verminderte Stressantwort als die Waldamseln.

“Diese Ergebnisse belegen erstmals, dass das Stadtleben verhaltensphysiologische Mechanismen, die zum Überleben notwendig sind, in Wildtieren deutlich verändert”, sagt Partecke. Die Wissenschaftler schreiben im Magazin “Ecology”, dass der Unterschied zwischen Stadt- und Waldamseln vermutlich genetisch festgelegt sei und auf die extremen Selektionsfaktoren in der Stadt zurückgehen könnte.

Eine reduzierte hormonelle Stressantwort könnte bei vielen in die Städte eingewanderten Tierarten auftreten, meinen die Forscher. Chronisch erhöhte Stresshormone würden sonst Fortpflanzung, Immunabwehr und Hirnfunktion beeinträchtigen. Tiere, die in Städten leben, würden unter den urbanen Bedingungen deutlich leiden, wenn sie ihre Stressantwort nicht den Stadtbedingungen angepasst hätten.

Warum sich die beiden Vogelgruppen bei der Hormonausschüttung nicht schon in ihrem ersten Herbst unterscheiden, ist eine Frage, die die Wissenschaftler noch nicht beantworten können. “Möglicherweise wird die verringerte Stressantwort erst später im Leben ausgebildet”, spekuliert Partecke.

Forschung: Jesko Partecke, Ingrid Schwabl, Eberhard Gwinner, in “Ecology”, 87(8), pp 1945-1952 (2006)

WWW:
Max-Planck-Institut für Ornithologie

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Amseln liegt das Stadtleben im Blut

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