Posted in: Biologie 23. August 2006 19:05 Weiter lesen →

Schleimpilze zeigen Familiensinn

Viele Tiere sind ausgesprochen hartherzig gegenüber fremden Artgenossen, jedoch hilfsbereit gegenüber der eigenen Verwandtschaft. Das gleiche Verhalten haben amerikanische Biologinnen nun auch bei Schleimpilzen beobachtet. Wenn es um das nackte Überleben geht, achten die Einzeller streng darauf, sich nicht für fremde Zelllinien aufzuopfern.

Die Resultate zeigten, „dass soziale Mikroben hochentwickelte Verhaltensweisen zeigen können, wie man sie vormals nur bei höheren Organismen vermutet hat“, schreiben Natasha Mehdiabadi von der Rice University und ihre Kolleginnen im Magazin „Nature“.

Untersuchungsobjekt der Forscherinnen war der Schleimpilz Dictyostelium purpureum. Die Zellen leben normalerweise als amöbenartige Einzelgänger im Waldboden und vermehren sich via Zellteilung. Sobald ihre Bakteriennahrung knapp wird, strömen sie jedoch zusammen und bilden pilzartige Gebilde. In diesen Fruchtkörpern wandeln sich nur einige wenige Zellen in widerstandsfähige Sporen um, die übrigen Zellen dienen dagegen als bloße Träger und sterben ab.

Mehdiabadi und Kolleginnen testeten nun, wie sich Mischkulturen verschiedener Zelllinien bei diesem Prozess verhielten. Bei Nahrungsknappheit fanden sich die Zellen zunächst zu einem einzigen Gebilde zusammen, fanden die Forscherinnen. Die daraus wachsenden Fruchtkörper enthielten jedoch überwiegend Sporen der einen oder der anderen Linie.

Ganz anders dagegen die Situation bei der nahe verwandten Art Dictyostelium discoideum. Hier bestehen die Fruchtkörper aus Zellen unterschiedlicher Abstammung. Dabei kommt es immer wieder vor, dass eine Zelllinie sich zwar an der Bildung der Sporen beteiligt, die Konstruktion des Fruchtkörpers aber anderen Zelllinien überlässt – sich also auf deren Kosten rettet. Die Verwandten-Erkennung bei D. purpureum schiebe diesem Schmarotzertum einen Riegel vor, so die Forscherinnen.

Forschung: Natasha H. Mehdiabadi und Joan E. Strassmann, Department of Ecology and Evolutionary Biology, Rice University, Houston, Texas; und andere; Veröffentlichung Nature, Vol. 442, 24. August 2006, pp 881-2, DOI 10.1038/442881a

WWW:
Strassmann and Queller Group, Rice University
Soziale Amöben – vom Einzeller zum Vielzeller

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