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Ameise springt mit Kieferkraft

22. August 2006 |

Die Furcht erregenden Kiefer einer tropischen Ameise dienen nicht allein zum Beutefang. Das haben eine amerikanische Biologin und ihre Kollegen beobachtet. Wenn sich Schnappkiefer-Ameisen mit Störenfrieden konfrontiert sehen, nutzen sie ihre Kiefer auch als Katapult, um ihr Gegenüber oder sich selbst aus der Gefahrenzone zu befördern.

Schnappkiefer-Ameise
Nahaufnahme einer Schnappkiefer-Ameise mit weit geöffneten Kiefern; Foto: Alex Wild/ myrmecos.net

Wenn die Tiere ihre weit geöffneten Kiefer binnen einer achtel Millisekunde zusammenschlagen lassen, erfahren die Kieferspitzen eine Beschleunigung vom Hunderttausendfachen der Erdbeschleunigung, schreibt die Gruppe um Sheila Patek von der University of California, Berkeley, im Fachblatt “Proceedings of the National Academy of Sciences”. Die neuen Resultate belegten, dass ein von der Evolution hochgezüchtetes Instrument nicht unbedingt einem einzigen Zweck dienen müsse.

Schon vor über 80 Jahren war berichtet worden, dass Schnappkiefer-Ameisen der Gattung Odontomachus ihre vorgespannten Kiefer scheinbar als Katapult einsetzen. Allerdings war nicht klar gewesen, ob der Schnappreflex nicht hin und wieder rein zufällig ausgelöst wird. Laut Patek und Kollegen belegen die neuen Resultate, dass es sich tatsächlich um ein gezielt eingesetztes Verteidigungsmittel handelt.

Mit Hochgeschwindigkeitskameras filmten die Forscher das Verhalten von Ameisen der Art Odontomachus bauri. Mit Plastikstäbchen gereizt oder mit einer Spinne konfrontiert, zeigten die Tiere zweierlei Verhaltensweisen. Mal ließen sie ihre Kiefer gegen den Störenfried schlagen, mal gegen die Unterlage. Im ersten Fall wurden die Ameisen - und mitunter auch das Gegenüber - im flachen Winkel bis zu 40 Zentimeter weit katapultiert. Im zweiten Fall hoben sie im steilen Winkel ab und erreichten Höhen von über acht Zentimetern.

Der Einsatz der Kiefer als Katapult könnte mehreren Zwecken dienen, spekulieren die Forscher. Einerseits bringe er Eindringling und Ameise auf Distanz zueinander. Andererseits sei die “Flugdauer” von einer viertel Sekunde ausreichend hoch, um beispielsweise der Schleuderzunge einer Eidechse zu entgehen. Und schließlich könnte der “Popcorn-Effekt” mehrerer springender Ameisen einen potenziellen Fressfeind derart irritieren, dass dieser entnervt das Weite suche.

Forschung: Sheila N. Patek und Joe E. Baio, Department of Integrative Biology, University of California at Berkeley; Andrew V. Suarez, Departments of Entomology und Animal Biology, University of Illinois Urbana-Champaign, Urbana; und andere; Veröffentlichung PNAS, DOI 10.1073 pnas.0604290103

WWW:
Patek Lab, UC Berkeley
Suarez Lab, UIUC
Odontomachus bauri

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