Magensäure macht Zellen auto-aggressiv
18. August 2006 |
Wer laufend unter Sodbrennen leidet, erkrankt mit höherer Wahrscheinlichkeit an Speiseröhrenkrebs. Wie diese Verbindung zustande kommt, glauben amerikanische Mediziner erklären zu können. Schon ein kurzer Kontakt mit saurem Magenbrei regt die Schleimhaut der Speiseröhre demnach zur Produktion aggressiver Moleküle an.
Dreh- und Angelpunkt dieser Reaktion dürfte ein zelleigenes Enzym sein, die NADPH-Oxidase 5 (NOX5), schreiben Weibiao Cao von der Brown University und seine Kollegen im “Journal of Biological Chemistry”. Ganz ähnliche Enzyme nutzt das Immunsystem, um Krankheitserreger mit aggressiven Sauerstoffverbindungen einzudecken. Im Falle der Speiseröhre führt diese Tätigkeit auf lange Sicht zur Entartung von Schleimhautzellen, glauben die Forscher.
Fließt immer wieder saurer Magensaft in die Speiseröhre, verändert sich deren Schleimhaut allmählich. Laut Angaben der Deutschen Krebshilfe weisen Patienten mit einem solchen Barrett-Ösophagus ein rund 50-mal höheres Risiko für Krebs der Speiseröhre auf als Nicht-Betroffene.
Cao und Kollegen analysierten Gewebeproben von Patienten, die einen Barrett-Ösophagus oder schon ein Adenokarzinom aufwiesen. Die Zellen reagierten auf einen kurzen Säurereiz, indem sie Calcium aufnahmen und über ein Signalmolekül das NOX5-Gen aktivierten. In der Folge bildeten sie verstärkt NOX5 und mit Hilfe des Enzyms wiederum aggresives Wasserstoffperoxid.
Normale Schleimhautzellen zeigten eine ähnliche, jedoch sehr viel schwächere Reaktion, berichtete die Gruppe. Ein Grund dafür könnte sein, dass die veränderten Zellen von vornherein sehr viel mehr Bauanleitungen für NOX5 vorrätig hielten.
Als Reaktion auf den selbst produzierten Wasserstoffperoxid beschleunigten die Zellen ihre DNA-Synthese und unterdrückten ihr Selbstmordprogramm. Diese Beobachtung könnte das hohe Risiko einer weiteren Entartung erklären, glauben die Forscher. “Nun, da wir den Ablauf des Prozesses kennen, können wir die Entwicklung des Krebses vielleicht bremsen oder sogar verhindern, indem wir diese unterschiedlichen Schritte blockieren”, hofft Cao.
Forschung: Xiaoying Fu und Weibiao Cao, Department of Medicine, Rhode Island Hospital und Brown Medical School, Providence, Rhode Island; und andere; Veröffentlichung Journal of Biological Chemistry, Vol. 281(29), pp 20368-82, DOI 10.1074/jbc.M603353200
WWW:
Homepage Weibiao Cao
Deutsche Krebshilfe
- Speiseröhrenkrebs
NOX5



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