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Index misst Forscher-Kreativität

18. August 2006 14:40

Die Fähigkeiten eines Forschers werden an seinen Fachartikeln gemessen. Bei der Vergabe von Professorenstellen und Geldmitteln sollte es jedoch um mehr als die Zahl der Veröffentlichungen oder deren Gewicht gehen, ist ein spanischer Physiker überzeugt. Ein von ihm entwickeltes Modell misst die Kreativität eines Wissenschaftlers als Menge des von ihm erzeugten Wissens.

Zwar zähle heute nicht mehr nur die Länge der Publikationsliste, schreibt José Soler von der Universidád Autónoma de Madrid in einer online zur Diskussion gestellten Arbeit. Immer stärker werde auch darauf geachtet, in welchem Fachblatt ein Artikel publiziert und wie häufig darauf in späteren Artikeln verwiesen worden sei. “Man sollte jedoch nicht vergessen, dass die Aufgabe eines Wissenschaftlers die Erzeugung von - im weitesten Sinne - nützlichem Wissen ist und nicht das Hinterlassen von Eindruck.”

Das von Soler ersonnene Modell betrachtet einen Fachartikel als Rohrabschnitt in einem Leitungsnetz, durch den Wissen aus früheren, zitierten Artikeln in spätere, zitierende fließt. Die Differenz der aus einem Artikel herausfließenden und der in ihn hineingeflossenen Wissensmenge entspricht der neu erzeugten Wissensmenge. Die Größen der im Einzelfall fließenden Wissensportionen folgen dabei einer statistischen Verteilung: Details sind sehr viel häufiger als große Ideen.

Je weniger Vorgänger ein Artikel zitiert und je mehr Nachfolger ihn zitieren, desto größer ist die neu erzeugte Wissensmenge. Daher schlagen sich so genannte Review-Artikel, in denen jüngere Erkenntnisse zu einem bestimmten Thema zusammengefasst werden, kaum auf dem Kreativitätskonto eines Forschers nieder. Ganz anders solche Artikel, die die Initialzündung für ein neues Forschungsgebiet liefern oder bisheriges Wissen in ein neues Licht rücken. Allerdings gibt es auch Rohrkrepierer, um die andere Forscher künftig lieber einen Bogen machen.

Als Beispiele nennt Soler den kurzen Artikel, in dem Watson und Crick ihr Modell der DNA-Doppelhelix vorstellen, und die Arbeit der Chemiker Fleischmann und Pons über die kalte Kernfusion.

Versuchsweise wandte Soler seine Kreativitätsformel auf die zehn am häufigsten zitierten Biowissenschaftler und Physiker an. Unter ersteren ist Solomon H. Snyder von der Johns Hopkins University demnach der Kreativste. Der mehrfach ausgezeichnete Neurowissenschaftler hat in 1.144 Veröffentlichungen demnach eine Wissensmenge von 38.900 Einheiten geschaffen. Ähnlich kreativ war der Physiker Philip W. Anderson von der Princeton University. Der Nobelpreisträger des Jahres 1977 benötigte dazu allerdings nur 342 Artikel.

Forschung: José M. Soler, Departamento de la Física de la Materia Condensada, Universidad Autónoma de Madrid; Preprint physics/0608006

WWW:
Homepage José Soler
Spitzen der Forschung
Through the Times With Solomon Snyder, M.D.
Philip Warren Anderson
Cold Fusion

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