Sparzwang macht Geckos gesellig
16. August 2006 09:36
Wenn Geckos gerne paarweise unter einem Stein hocken, hat dies eher profane Gründe. Amerikanische Biologen haben ermittelt, dass die Eidechsen durch gemeinsames Atmen die Luftfeuchte in ihrem Unterschlupf deutlich erhöhen. Auf diese Weise verlieren sie weniger Wasser.
Im Falle des Gebänderten Krallengeckos (Coleonyx variegatus) sei dies auch nötig, schreibt die Gruppe um Robert Espinoza von der California State University im Fachblatt “Animal Behaviour”. Die Art sei in feuchteren und kühleren Zeiten in ihr heutiges Verbreitungsgebiet eingewandert, die Wüsten des amerikanischen Südwestens. Und gemessen an ihren hohen Wasserverlusten und ihrer Vorliebe für gemäßigte Temperaturen, habe sie sich körperlich kaum an die heutigen Bedingungen angepasst.
Gebänderte Krallengeckos sind nachtaktiv und harren den Tag über unter Steinen, Zweigen oder in Nagerbauten aus - häufig zu zweit. Um mehr über die Gründe dafür zu erfahren, boten Espinoza und Kollegen ihren Labortieren mehrere präparierte Bauten an. Hockten zwei oder drei Geckos in einem dieser Bauten, lag die relative Luftfeuchtigkeit darin um bis zu 15 Prozentpunkte höher und schwankte weniger stark als in Bauten, in denen nur ein Tier saß. Als Folge sank der verdunstungsbedingte Wasserverlust der Tiere um bis zu 50 Prozent.
Zwar zeigten die Geckos keine Vorliebe für Bauten, denen der eigene Geruch oder der eines Artgenossen anhaftete. Immerhin aber mieden sie solche Bauten, in denen Kot oder Hautschuppen einer Schlange lagen, berichten Espinoza und seine Kollegen. Ihrer Ansicht nach könnten Verhaltensanpassungen an rein physiologischen Zwänge - wie im Falle des Krallengeckos - durchaus die Grundlage für die Entwicklung eines komplexen Sozialverhaltens darstellen, indem sie Individuen einer Art zusammenbringen.
Und ganz ausschließen wollen die Forscher auch nicht, dass die Krallengeckos in ihren Gemeinschaftsverstecken vielleicht auf Paarungsgelegenheiten aus sind: Gemischtgeschlechtliche Gruppen seien bei den Versuchen sehr viel häufiger gewesen als man bei rein zufälligem Zusammenfinden zu erwarten, rein männlichen Gruppen seien gar nicht beobachtet worden. Allerdings sei es - zumindest in den Laborhöhlen - zu keinen erfolgreichen Paarungen gekommen.
Forschung: Jennifer R. Lancaster, Paul Wilson und Robert E. Espinoza, Department of Biology, California State University, Northridge; Veröffentlichung Animal Behaviour, Vol. 72(1), pp 199-207, DOI 10.1016/j.anbehav.2006.01.010
WWW:
Espinoza Lab
Coleonyx variegatus
Desert Adaptations
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