Frühe Gewichtszunahme, höheres Diabetesrisiko
Dienstag, 15. August 2006, 13:52 • Rubrik Ernährung, Gesundheit.
Falsche Ernährung und Bewegungsmangel gelten als Hauptursachen dafür, dass immer mehr Menschen an Diabetes erkranken. Eine Potsdamer Forscherin und ihre Kollegen haben nun ermittelt, dass dabei auch das Alter von Bedeutung ist: Legt eine Person erst relativ spät an Gewicht zu, ist ihr Diabetesrisiko weniger stark erhöht.
“Viele verschiedene Studien belegen bereits einen Zusammenhang zwischen Gewichtszunahme und Diabetesrisiko”, erläutert Anja Schienkiewitz vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung. “Unsere Untersuchung weist jedoch erstmals darauf hin, dass auch der Zeitpunkt der Gewichtszunahme eine wichtige Rolle spielt.”
Schienkiewitz und Kollegen analysierten die Daten von über 18.000 Männern und Frauen, die an einer großen europäischen Studie zum Zusammenhang von Ernährung und Krebs teilnahmen. Bei allen war mehrmals der Body-Mass-Index (BMI) als Maß für die Leibesfülle ermittelt worden. Im Laufe einer mittleren Beobachtungszeit von sieben Jahren wurde bei knapp 700 Teilnehmern Diabetes vom Typ 2 diagnostiziert, früher häufig auch als “Altersdiabetes” bezeichnet.
Hatten die Teilnehmer im Alter zwischen 25 und 40 Jahren zwei bis drei Kilogramm zugelegt, wiesen sie ein um rund 25 Prozent erhöhtes Erkrankungsrisiko auf, berichtet die Gruppe im “American Journal of Clinical Nutrition”. Nahmen die Teilnehmer dagegen erst im Alter zwischen 40 und 55 Jahren leicht zu, erhöhte sich ihr Diabetesrisiko um “lediglich” 11 bis 13 Prozent.
Kamen bei den jungen Erwachsenen mehr als 12 Kilogramm zum Normalgewicht hinzu, stieg das Risiko bei Männern sogar um 150 Prozent, bei Frauen sogar um 430 Prozent.
“Da die Zahl junger übergewichtiger Erwachsener in Deutschland stetig steigt und bereits eine moderate Gewichtszunahme im jungen Erwachsenenalter das späte Erkrankungsrisiko nicht unwesentlich erhöht, geben unsere Ergebnisse Anlass zur Sorge”, erklärt Schienkiewitz’ Kollege Heiner Boeing, der Leiter des deutschen Studienzweigs. “Zudem verdeutlichen sie, wie wichtig es ist, zeitlebens auf sein Gewicht zu achten.”
Forschung: Anja Schienkiewitz, Matthias B. Schultze, Kurt Hoffmann und Heiner Boeing, Abteilung Epidemiologie, Deutsches Institut für Ernährungsforschung, Potsdam-Rehbrücke; Anja Kroke, Arbeitsgruppe Ernährung und Gesundheit, Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund; Veröffentlichung American Journal of Clinical Nutrition, Vol. 84(2), pp 427-33
WWW:
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Deutsches Diabetes-Zentrum
BMI-Rechner
EPIC
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