Posted in: Biologie 8. August 2006 06:20 Weiter lesen →

Sturmtaucher fliegen die „pazifische Acht“

Ein kleiner Seevogel legt die längste Wanderung im Tierreich zurück. Das hat eine internationale Forschergruppe ermittelt. Kaum ein Kilogramm schwer, bewältigen Dunkle Sturmtaucher regelmäßig Strecken von gut 64.000 Kilometern. Ihr Weg führt sie in Form einer großen Acht von Neuseeland in den Nordpazifik und wieder zurück.

Sturmtaucher_Flugrouten
Flugrouten der Sturmtaucher. Bild: PNAS

Der Sinn dieser Wanderung eröffnet sich beim Abgleich mit Satellitendaten, berichten die Forscher um Scott Shaffer von der University of California, Santa Cruz, im Fachblatt „Proceedings of the National Academy of Sciences“. Die Tiere passen die Zeiten der höchsten biologischen Produktivität in Nord- und Südpazifik ab und erleben so gewissermaßen einen endlosen Sommer.

Dunkle Sturmtaucher (Puffinus griseus) sind in allen Weltmeeren anzutreffen – zumindest vorübergehend. Woher die Vögel kommen und wo sie bevorzugt nach Nahrung tauchen, war allerdings nicht genau bekannt. Zur Klärung dieser Fragen hängten Shaffer und seine Kollegen Altvögeln auf Neuseeland kleine Datenrekorder an die Beine. Die nur 12 Gramm schweren Geräte registrierten laufend die Umgebungshelligkeit, sodass die Forscher anhand von Sonnenaufgang und Tageslänge die geographische Position berechnen konnten.

Die Wanderung der Sturmtaucher dauert etwa 200 Tage und beginnt Anfang April, sobald der Nachwuchs flügge ist. Die Westwinde im Rücken, fliegen die Tiere zunächst ostwärts. Spätestens auf der anderen Seite des Südpazifiks, in Chile, drehen sie nach Nordwesten ab und legen – nun unterstützt von den Passatwinden – pro Tag 900 Kilometer und mehr zurück. Von Mai bis Oktober schwelgen sie in den nahrungsreichen Gewässern vor Japan, Alaska und Kalifornien. Ihre Rückreise verläuft analog zum Hinweg, wobei sämtliche Tiere den Äquator in einem schmalen zeitlichen und räumlichen Fenster in südwestlicher Richtung kreuzen.

Auf ihrem Rundkurs nutzen die Vögel allerdings nicht nur die biologische Produktion optimal aus, befürchten Shaffer und seine Kollegen. Derzeit auf etwa 20 Millionen Tiere geschätzt, schrumpften die Bestände des Dunklen Sturmtauchers seit einiger Zeit. Möglicherweise werde die Art als „globaler Umweltindikator“ durch den Klimawandel und die Treibnetzfischerei besonders stark beeinträchtigt.

Forschung: Scott A. Shaffer und Daniel P. Costa, Ecology and Evolutionary Biology, University of California, Santa Cruz; Henri Weimerskirch, Centre d’Etudes Biologiques de Chizé, CNRS, Villiers en Bois; und andere; Veröffentlichung in PNAS, DOI 10.1073/pnas.0603715103

WWW:
Costa Lab, University of California at Santa Cruz
Tagging of Pacific Pelagics
Sooty Shearwater
Migration Basics
Earth View

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Libellen ziehen wie Vögel
Weißer Hai absolviert Rekordwanderung

Manche Albatrosse fliegen weiter

Posted in: Biologie
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (2 Bewertungen, im Schnitt 3,00 von 5)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.