Flüssig-Beatmung durch den Bauch
Dienstag, 8. August 2006, 13:39 • Rubrik Medizin.
Eine völlig neue Bedeutung erhält das Wort Bauchatmung durch Experimente amerikanischer Chirurgen. Bei den Versuchen an Schweinen stieg der Sauerstoffgehalt des Blutes deutlich an, wenn eine mit Sauerstoff angereicherte Flüssigkeit in die Bauchhöhle gepumpt wurde. Auf Intensivstationen könnte die Technik gute Dienste leisten, hoffen die Mediziner.
Den Lungen von künstlich beatmeten Patienten könnte so Gelegenheit zur Erholung gegeben werden, erklärt Joseph Friedberg von der University of Pennsylvania. “Dies ist eine alternative, neuartige Methode, den Körper mit Sauerstoff zu versorgen, ohne einer bereits geschädigten Lunge zusätzliche Leistung abzuverlangen.” Friedberg und seine Kollegen stellen ihre Experimente im Fachblatt “Chest” vor.
Die Bauchhöhle ist von einer dünnen Haut ausgekleidet, die auch die meisten inneren Organe einhüllt. Gut zwei Quadratmeter groß, wird dieses Bauchfell (Peritoneum) von zahlreichen Blutgefäßen durchzogen – eine Tatsache, die bereits für die Blutwäsche bei Nierenpatienten ausgenutzt wird. Die Mediziner testeten nun, ob die große Austauschfläche auch als “Hilfslunge” dienen kann.
Bei ihren Versuchen betäubten die Mediziner sechs Schweine und beatmeten sie mit einem Gasgemisch, das deutlich weniger Sauerstoff enthielt als die Luft. Gleichzeitig pumpten sie einen flüssigen, mit Sauerstoff angereicherten Perfluorkohlenstoff durch die Bauchhöhle dreier Tiere. Tatsächlich stieg die Sauerstoffsättigung des Blutes daraufhin von 73 auf 89 Prozent, während der Kohlendioxidgehalt sank. Keine Veränderung zeigte sich dagegen bei jenen drei Tieren, bei denen eine sauerstoffreiche Kochsalzlösung zum Einsatz kam.
Zwar könne das Blut auch außerhalb des Körpers mit Sauerstoff angereichert werden, so Friedberg weiter. Dabei bestehe jedoch immer die Gefahr der Bildung von Blutgerinnseln. Die Flüssigbeatmung über das Bauchfell umgehe dieses Problem. Allerdings habe es sich bei den Tierversuchen nur um erste Machbarkeitsstudien gehandelt, betont der Mediziner. Bis an einen Einsatz der “Bauchbeatmung” in der Intensivmedizin zu denken sei, gebe es noch zahlreiche Fragen zu klären, etwa die nach der Toxizität der Perfluorkohlenstoffe.
Forschung: Joseph S. Friedberg, Shamus R. Carr und Joshua Collins, Department of Surgery, University of Pennsylvania, und Joshua Cantor, Atul Rao und Thiru Lakshman, Department of Surgery, Thomas Jefferson University, Philadelphia; Veröffentlichung in “Chest”, 8. August 2006
WWW:
Department of Surgery, University of Pennsylvania
Peritoneum, Mesentery and Omentum
Bauchfelldialyse
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