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Zell-Zombies schmuggeln Malaria-Erreger

3. August 2006 |

Auf durchtriebene Art und Weise unterläuft der Erreger der Malaria das Immunsystem seines Wirts. Eine deutsch-brasilianische Forschergruppe hat ermittelt, dass die Parasiten nach ihrer Vermehrung in der Leber nicht einfach ins das Blut wandern. Vielmehr lassen sie sich von ausgelaugten Wirtszellen an patrouillierenden Abwehrzellen vorbei schmuggeln.

Leberzelle_Merozoiten
Eine mit Merozoiten gefüllte Leberzelle schnürt einen Teil ihres Plasmas (gelb) in ein Blutgefäß ab, ohne dort lauernde Fresszellen (blau) zu alarmieren. Grafik: Science

Die Parasiten bringen die halbtoten Leberzellen dazu, sich aus dem regulären Gewebeverband zu lösen und zumindest Teile von sich in das nächste Blutgefäß zu quetschen, berichten Angelika Sturm vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin und ihre Kollegen im Magazin “Science”. Gleichzeitig verhindern sie, dass sich die Leberzell-Zombies als solche zu erkennen geben.

Nach Schätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO erkranken pro Jahr über 300 Millionen Menschen an Malaria, mindestens eine Million von ihnen sterben an den Folgen. Verursacher sind einzellige Parasiten der Gattung Plasmodium, die beim Stich einer infizierten Mücke ins Blut gelangen. Bevor sich die Parasiten in den roten Blutkörperchen einnisten und die typischen Fieberschübe hervorrufen, durchlaufen sie einen Vermehrungszyklus in der Leber.

Bislang war unklar, wie die dort gebildeten Merozoiten zurück in die Blutbahn gelangen, ohne die im Lebergewebe reichlich vorhandenen Fresszellen zu alarmieren. Zu ihrer Überraschung fanden Sturm und Kollegen in Kulturen infizierter Leberzellen nur wenige freie Erregerstadien. Stattdessen trieben in der Kulturflüssigkeit mit Merozoiten prall gefüllte Leberzellen und Membranbläschen. Beobachtungen an infizierten Mäusen bestätigten, dass befallene Leberzellen auf Wanderschaft gehen und Teile ihres Zellplasmas abschnüren.

Die manipulierten Leberzellen stehen in diesem Stadium kurz vor dem Zelltod, berichtet die Gruppe. Dabei zeigen sie aber nicht alle typischen Zeichen sterbender Zellen. Insbesondere verhindern die Parasiten, dass die Calciumkonzentration im Plasma der Wirtszelle steigt und so Veränderungen in der Zellmembran bewirkt, die Fresszellen auf den Plan rufen würden. Vielleicht könnte man die Tarnmaßnahmen der Parasiten mit Medikamenten blockieren und so den Ausbruch der Krankheit verhindern, so die Forscher.

Forschung: Angelika Sturm und Volker T. Heussler, Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin, Hamburg; Rogério Amino, Départment Parasitologie et Mycologie, Institut Pasteur, Paris, und Departamento de Bioquímica, Universidade Federal de São Paolo; und andere; Veröffentlichung in “Science Express”, DOI 10.1126/science.1129720

WWW:
Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin
- AG Heussler
Tatort Mensch: Malaria
Malaria-Portal der WHO

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