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Gerinnungsfasern dehnbarer als Spinnenseide

Donnerstag, 3. August 2006, 20:05 • Rubrik Medizin.

Was die Dehnbarkeit betrifft, können es Blutgerinnsel durchaus mit Spinnenseide aufnehmen. Das berichten amerikanische Forscher im Magazin “Science”. Die Proteinfasern in den Gerinnseln können demnach auf mehr als das Vierfache ihrer Ausgangslänge gestreckt werden.

Dehnung_Fibrinfaser
Bildsequenz: Nach Dehnung auf das 1,8fache schnappt eine Fibrinfaser in ihre Ausgangslänge zurück. Der weiße Punkt markiert die Spitze des Rasterkraftmikroskops. Quelle: Science

Wird ein Blutgefäß beschädigt, bildet das Protein Fibrin ein regelrechtes Netz über der Wunde. “Von allen natürlichen Fasern sind Fibrinfasern diejenigen, die man am weitesten dehnen kann, ohne dass sie reißen”, erklärt Martin Guthold von der Wake Forest University. Trotz ihrer enormen Bedeutung sei über diese tragenden Elemente der Blutgerinnung bislang nur wenig bekannt gewesen.

Bei ihren Versuchen zogen Guthold und Kollegen mit der Spitze eines Rasterkraftmikroskops an kaum 100 Nanometer (Millionstel Millimeter) dicken Fibrinfasern. Bestanden diese aus losen Proteinsträngen, konnten sie auf das 3,2fache ihrer Ausgangslänge gedehnt werden, bevor sie rissen. Fibrinfasern aus untereinander verknüpften Proteinsträngen ließen sich sogar auf das 4,3fache dehnen. Allerdings büßten die Fasern schon bei einer Dehnung auf das 2,2- bzw. 2,8fache der ursprünglichen Länge deutlich an Elastizität ein.

Messungen an ganzen Netzen aus Fibrinfasern hatten deutlich geringere Dehnbarkeiten ergeben. Dieser Befund sei umso erstaunlicher, als sich ein Netz auf zweierlei Arten – über die Ausrichtung der Fasern und über deren Dehnung – strecken könne, schreiben Guthold und Kollegen. “Diese Daten lassen vermuten, dass das Aufbrechen eines Blutgerinnsels nicht auf das Reißen einzelner Fasern zurückgeht, wie bislang vermutet. Vielmehr scheinen es die Verzweigungspunkte zu sein, die zuerst nachgeben.”

Forschung: Wenhua Liu und Martin Guthold, Department of Physics, Wake Forest University, Winston-Salem; Susan T. Lord, Department of Pathology and Laboratory Medicine, University of North Carolina, Chapel Hill; und andere; Veröffentlichung in “Science”, Vol. 313, 4. August 2006, p 634, DOI 10.1126/science.1127317

WWW:
Homepage Martin Guthold
The Nanomanipulator
Das Blut

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