Posted in: Astronomie 2. August 2006 19:05 Weiter lesen →

Exoplanet übersteht feurige Umarmung

Eine Feuertaufe der kosmischen Art hat ein riesiger Planet hinter sich, den britische Astronomen entdeckt haben. Das Objekt rast im geringen Abstand um die Überreste eines Sterns, der sich in der Vergangenheit zu einem roten Riesen aufgebläht hat. Dabei wurde es vorübergehend von dessen heißer Gashülle verschluckt – und überlebte nur dank seiner großen Masse.

Tatsächlich scheint sich der Begleiter auf seine Weise revanchiert zu haben, berichten die Forscher um Pierre Maxted von der Keele University im Magazin „Nature“. Offenbar verlieh er der Gashülle des Sterns bei der feurigen Umarmung zusätzlichen Schwung, sodass deutlich mehr Hüllenmaterial ins All entweichen konnte als unter normalen Umständen.

Maxted und seine Kollegen hatten das ungewöhnliche Duo bei der Suche nach Supernova-Vorläufersternen entdeckt. Ihre Beobachtungen mit Teleskopen der Europäischen Südsternwarte in Chile zeigten, dass der ausgebrannte Stern, ein Weißer Zwerg mit der Bezeichnung WD 0137-349, etwa 40 Prozent der Sonnenmasse besitzt. Bei seinem Begleiter handelt es sich um einen Beinahe-Stern, einen Braunen Zwerg, mit etwa 5 Prozent der Sonnenmasse.

Die beiden Riesen umkreisen einander alle zwei Stunden in einer Distanz von lediglich 450.000 Kilometern. Zum Vergleich: Die Erde hält einen 333 Mal weiteren Abstand von der Sonne.

Weiße Zwerge gehen aus Sternen hervor, die sich nach dem Aufbrauchen ihres Kern-Brennstoffs zu Roten Riesen aufgebläht und dann ihre äußeren Schichten abgestoßen haben. Indem diese Hülle den Begleiter umfasste, muss er auf seiner Umlaufbahn von einem starken „Gegenwind“ abgebremst worden und näher an den Stern gerückt sein – nicht jedoch, ohne einen Teil seiner Bewegungsenergie auf die Hülle zu übertragen.

„Hätte der Begleiter weniger als 20 Jupitermassen besessen, wäre er in dieser Phase verdampft worden“, erklärt Maxted. Die Rettung sei allerdings nur eine vorläufige: Auf seiner rasanten Kreisbahn strahle der Begleiter Energie in Form von Gravitationswellen ab, sodass seine Bahn immer enger werde. In etwa 1,4 Milliarden Jahren dürfte ein Punkt erreicht sein, an dem er von dem Stern endgültig gefressen werde.

Forschung: Pierre F.L. Maxted, Astrophysics Group, Keele University; Ralf Napiwotzki, Centre for Astrophysics Research, University of Hertfordshire, Hatfield; Paul D. Dobbie und Matthew R. Burleigh, Department of Physics and Astronomy, University of Leicester; Veröffentlichung in „Nature“, Vol. 442, 3. August 2006, pp 543-5, DOI 10.1038/nature04987

WWW:
Astrophysics Group, Keele University
European Southern Observatory
Spätphasen der Sternentwicklung
Brown Dwarfs

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