Elektrizität könnte Mars sterilisieren
1. August 2006 |
Der Mars könnte durch einen wahren Desinfektionsmittel-Niederschlag keimfrei gehalten werden. Darauf deuten Berechnungen amerikanischer Forscher hin. Die Elektrizität der zahlreichen Staubteufel und Stürme bringt demnach laufend aggressive Chemikalien hervor, die jegliches Leben an der Oberfläche des roten Planeten abtöten dürften.

Bild: NASA
Hinzu komme noch die Wirkung der kaum gefilterten ultravioletten Strahlung auf dem Mars, schreiben Sushil Atreya von der University of Michigan und seine Kollegen im Fachblatt “Astrobiology”. Allerdings sei nicht auszuschließen, dass der Nachbar der Erde in seiner wasserreichen Frühzeit Leben besessen habe und dass ein Teil davon bis heute in tiefen Bodenschichten überdauert habe.
Vom Wind gepeitschte Staubkörnchen reiben sich aneinander und werden nach ihrer Größe sortiert. Das Resultat sind elektrische Felder, wie sie auf der der Erde - und vermutlich auch auf dem Mars - Feldstärken von über 20 Kilovolt pro Meter erreichen können. Die Modellrechnungen Atreyas und seine Kollegen zeigen, dass Kohlendioxid- und Wassermoleküle in der Marsatmosphäre in diesen Feldern regelrecht zerrissen werden. Die Molekültrümmer reagieren wiederum miteinander und bilden Wasserstoffperoxid - den Wirkstoff in vielen Desinfektionsmitteln und Bleichen.
Nach Ansicht der Forscher kann auf diese Weise selbst in der dünnen Marsatmosphäre derart viel Wasserstoffperoxid entstehen, dass die Verbindung vom gasförmigen in den festen Zustand übergeht und als toxischer Schnee zur Oberfläche rieselt.
Obwohl Erde und Mars aus sehr ähnlichem Ausgangsmaterial entstanden seien, habe man auf der Oberfläche des roten Planeten bislang kaum organische Verbindungen gefunden, so Atreya weiter. Der oxidative Niederschlag liefere eine einleuchtende Erklärung für diesen Befund. Umgekehrt habe man erst kürzlich Spuren von Methan in der Atmosphäre des Mars registriert. Da diese Verbindung ebenfalls von Wasserstoffperoxid angegriffen werden, müsse sie auf dem Mars in größeren Mengen freigesetzt werden als bislang angenommen.
Forschung: Sushil K. Atreya und Ah-San Wong, Department of Atmospheric, Oceanic, and Space Sciences, University of Michigan, Ann Arbor; Gregory T. Delory, Space Sciences Laboratory, University of California, Berkeley; David C. Catling, Department of Atmospheric Sciences/Astrobiology Program, University of Washington, Seattle; und andere; Veröffentlichung in “Astrobiology”, Vol. 6(3), pp 439-50 und 451-62
WWW:
Planetary Science Laboratory, University of Michigan
Wasserstoffperoxid
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