Top

Stetes Rieseln aus dem Kosmos

27. Juli 2006 | Druckversion

Alljährlich regnen etwa 40.000 Tonnen kosmischen Staubs auf die Erde herab. Und diese Rate ist seit mindestens 29 Jahrtausenden bemerkenswert konstant, berichtet ein amerikanisch-deutsches Forscherduo im Magazin “Science”. Zumindest der Eintrag von kosmischem Helium hat in dieser Zeit nur selten geschwankt.

Kosmisches_Staubteilchen
Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme eines kosmischen Staubkörnchens. Bild: J. Freitag/ S. Messenger

Dieser Befund spreche gegen die Hypothese, kosmischer Staub habe die Vereisungszyklen in der jüngeren Vergangenheit der Erde angetrieben, schreiben Gisela Winckler von der New Yorker Columbia University und Hubertus Fischer vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven.

Das Duo untersuchte Eiskerne, die im Rahmen eines europäischen Forschungsprogramms aus 6.900 bis 29.000 Jahre altem Eis in der Antarktis gezogen worden waren. Dazu filtrierte es feinste Staubpartikel aus dem Schmelzwasser und bestimmte, wie viel Helium-4 und Helium-3 darin enthalten waren. Ersteres ist das “normale” Isotop des Edelgases, während letzteres in kosmischem Staub gut 6.000 Mal stärker vertreten ist als in irdischem Staub.

Tatsächlich stammt das Helium-3 im Eis nahezu ausschließlich aus interplanetaren Staubkörnchen, lassen die Messresultate vermuten. Pro Jahrtausend geht auf einem Quadratmeter Erdoberfläche demnach knapp ein Billionstel Gramm Helium-3 aus dem Kosmos nieder. Dieser geographisch homogene Fluss ist in den letzten 29.000 Jahren bei drei Gelegenheiten vorübergehend auf das Drei- bis Fünffache gestiegen, fanden die Forscher.

Umgekehrt scheinen während der Kalt- und Zwischenkaltzeiten unterschiedliche Quellen zu dem irdischen Helium-Anteil beizutragen. Nach Ansicht Wincklers und Fischers könnte sich hier der Einfluss während der Eisphasen freigelegter Kontinentalschelfe und von Gletschern abgehobelten Materials zeigen.

Forschung: Gisela Winckler, Lamont-Doherty Earth Observatory, Earth Institute at Columbia University, Palisades, New York, und Hubertus Fischer, Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, Bremerhaven; Veröffentlichung Science, Vol. 313, 28. Juli 2006, p 491, DOI 10.1126/science.1127469

WWW:
Environmental Tracer Group, Columbia University
Glaziologie, Alfred-Wegener-Institut
- European Project for Ice Coring in Antarctica (EPICA)
Cosmic Dust
Eiszeiten und Warmzeiten

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Antarktis vor 41 Millionen Jahren “abgenabelt”
Eiszeiten entvölkerten antarktischen Meeresgrund
Taumeln der Erde bewirkte Warmzeit

Bottom