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Asthma kommt klassenabhängig

27. Juli 2006 | Druckversion

Noch vor 100 Jahren galten Asthma und Allergien als typische Erkrankungen von Bildungsbürgern und blutleeren Adeligen. Auch heute variiert die Erkrankungshäufigkeit mit Schichtzugehörigkeit und Einkommen, zeigen die Resultate einer schwedischen Forschergruppe. Allerdings haben sich die Verhältnisse umgekehrt: Einfache Arbeiter sind bis zu 90 Prozent häufiger betroffen als leitende Angestellte.

Dieser Zusammenhang gilt auch nach Berücksichtigung anderer Faktoren wie familiärer Vorbelastung, Geschlecht, Rauchgewohnheiten oder einer beruflichen Exposition gegenüber Allergenen, schreiben die Forscher um Eva Rönmark vom Stockholmer Karolinska-Institut im “European Respiratory Journal”.

Rönmark und Kollegen verfolgten den Werdegang von 2.754 Einwohnern der nördlichsten Provinz Schwedens, des ländlich geprägten Norrbottens Län. Über einen Zeitraum von zehn Jahren registrierten die Forscher das Auftreten von Atemwegsproblemen und verknüpften die Zahlen mit dem sozio-ökonomischen Status der Teilnehmer, eingestuft anhand der jeweiligen Berufsbezeichnung.

Die niedrigsten Erkrankungsraten wiesen Angestellte mit Leitungsfunktion bzw. solche in der öffentlichen Verwaltung auf. Verglichen mit dieser Gruppe, wurden bei Industriearbeitern 70 bis 90 Prozent häufiger Asthma, Kurzatmigkeit oder chronischer Husten festgestellt. Ähnliches galt für einfache Angestellte im Dienstleistungssektor.

Rönmark und Kollegen schätzen, dass ein Zehntel aller Erkrankungsfälle durch ein niedriges Einkommen und die Zugehörigkeit zu einer weniger privilegierten Schicht erklärt werden können. Um die Art des Zusammenhangs genau bestimmen zu können, seien allerdings weitere Studien nötig, so die Forscher.

Im letzten Jahr hatten Berliner Wissenschaftler berichtet, dass die Lebenserwartung in Deutschland mit dem sozio-ökonomischen Status sinkt. Diese Resultate hatten zum Teil durch ein ungünstigeres Gesundheitsverhalten - etwa einen höheren Zigaretten- und Alkoholkonsum - erklärt werden können.

Forschung: Ulf Hedlund, Kåre Eriksson und Eva Rönmark, Department of Medicine, Sunderby Central Hospital of Norbotten, Luleå, Department of Public Health and Clinical Medicine, Umeå University, und Lung and Allergy Research, National Institute of Environmental Medicine, Karolinska Institutet, Stockholm; Veröffentlichung “European Respiratory Journal”, Vol. 28(2), 31. Juli 2006, DOI 10.1183/09031936.06.00108105

WWW:
Karolinska Institutet
Deutscher Allergie- und Asthmabund
Projekt objektive und subjektive Gesundheit in Deutschland

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