Posted in: Astronomie 25. Juli 2006 15:00 Weiter lesen →

Schweißtreibende Tour für Kometen

Als im letzten Sommer ein Kupfergeschoss auf den Kometen Tempel 1 traf, gab es einen vergleichsweise trockenen Einschlag. Des ungeachtet schwitzt der Komet auf seiner Bahn um die Sonne reichlich Wasser aus, hat eine deutsch-amerikanische Forschergruppe ermittelt. Bei jedem Umlauf verliert die eisige Staubkugel demnach rund drei Millionen Tonnen Wasser.

deep impact oberflaeche
Eine der letzten Aufnahmen, die das Deep-Impact-Projektil beim Anflug auf Tempel 1 gemacht hatte.
Bild: NASA/JPL-Caltech/UMD

Dabei schwankt die von Tempel 1 freigesetzte Wassermenge ständig um den Faktor Drei, berichten Frank Bensch von der Universität Bonn und seine Kollegen im Fachblatt „Icarus“. Ihrer Ansicht könnten sich hier eisreiche Stellen auf der Oberfläche des Kometen bemerkbar machen, die durch dessen Eigendrehung mal im Schatten liegen, mal im Sonnenlicht.

Die meiste Zeit eher unauffällige Objekte, verwandeln sich Kometen in Sonnennähe in spektakuläre Schweifsterne. Um mehr über den Aufbau der einsamen Wanderer zu erfahren, war im Juli 2005 das Projektil der Mission „Deep Impact“ zur Kollision mit Tempel 1 gebracht worden. Bensch und seine Kollegen nutzten den NASA-Satelliten SWAS (Submillimeter Wave Astronomy Satellite), um das Ereignis zu verfolgen.

Den Spuren des Einschlags nach zu urteilen, scheine Tempel 1 weniger von schmutzigem Schnee denn von eisigem Staub bedeckt zu sein, erläutert Bensch. „Das Material, das dabei frei wurde, enthielt erstaunlicherweise kaum Wasserdampf.“

Obgleich sich der Komet von dem Einschlag wenig beeindruckt zeigte, verlor er während des dreimonatigen Beobachtungszeitraums ständig Wasser, berichten die Forscher. Hochgerechnet auf einen kompletten Umlauf von fünfeinhalb Jahren Dauer, schätzen sie den Wasserverlust auf drei Millionen Tonnen. Diese Abmagerungskur könnte Tempel 1 schon in einigen hundert Jahren das Leben kosten. „Irgendwann wird er wohl einfach auseinander bröseln“, so Bensch. „Wenn er nicht zuvor mit dem Jupiter zusammenstößt oder von diesem aus dem Sonnensystem geschleudert wird.“

Forschung: Frank Bensch und Volker Tolls, Argelander-Institut für Astronomie, Universität Bonn, und Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics, Cambridge, Massachusetts; und andere; Veröffentlichung Icarus, DOI 10.1016/j.icarus.2006.05.016

WWW:
Argelander-Institut für Astronomie, Uni Bonn
Comet Information
Submillimeter Wave Astronomy Satellite
Deep Impact

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Deep Impact: Mehr Wasser durch Einschlag
Komet ähnelt eisiger Staubkugel

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