Cassini findet “Land” auf Titan
Donnerstag, 20. Juli 2006, 14:55 • Rubrik Astronomie.
Der eisige Saturnmond Titan ähnelt der Erde in vielerlei Hinsicht, zeigt eine neue Radaraufnahme der Sonde Cassini. Ein helles Gebiet von der Größe Australiens weist demnach geologische Merkmale auf, wie man sie auch auf einem irdischen Kontinent erwarten würde.

Bild: NASA/Jet Propulsion Laboratory
Astronomen hatten das Gebiet bereits in den 90er-Jahren auf Bildern des Weltraumteleskops Hubble entdeckt. Nun liefere Cassini erstmals Fakten über die Beschaffenheit der auf den Namen “Xanadu” getauften Region, erklärt Jonathan Lunine von der University of Arizona. “Obgleich Titan sehr viel weniger Sonnenlicht erhält und kleiner und kälter ist als die Erde, ist Xanadu [...] ein Land, in dem Flüsse auf ein sonnenloses Meer zu fließen.”
Lunine und seine Kollegen analysierten Daten des jüngsten Vorbeiflugs Cassinis an dem größten Saturnmond. Dabei hatte die Sonde einen gut 4.500 Kilometer langen Streifen der Titanoberfläche mit ihrem Radar abgetastet. Die resultierenden Bilder zeigen Xanadu als relativ raues, für die Radiowellen “hell” erscheinendes Gebiet inmitten von relativ glattem, “dunklen” Terrain.
An den Rändern der Region finden sich neben Dünen und anderen Erhebungen auch tief eingeschnittene Täler, die möglicherweise von Flüssen geschaffen wurden und wiederum in “dunklen” Gebieten münden. Nach Ansicht Lunines und seiner Kollegen bekräftigt diese Beobachtung die bereits früher angestellte Vermutung, bei den dunklen Gebieten könne es sich um Meere und Seen bzw. deren trockengefallene Böden handeln. Ähnliche Resultate hatte bereits die europäische Sonde Huygens bei ihrer Landung auf Titan geliefert.
“Diese kalte, ferne Region weist geologische Merkmale auf, die in bemerkenswerter Weise an die Erde erinnern”, so Lunine. Die Flusstäler und Meere könnten von flüssigen Kohlenwasserstoffen geschaffen worden sein, die möglicherweise als Regen oder Ruß aus der Titanatmosphäre mit ihrem organischen Dunstschleier fallen. Im Falle Xanadus scheine dieser organische Niederschlag weggeschwemmt worden zu sein, so Lunines Kollege Steve Wall vom Jet Propulsion Laboratory im kalifornischen Pasadena. “Was jetzt zutage liegt, sieht aus wie sehr poröses, möglicherweise von Höhlen durchzogenes Wassereis.”
Forschung: Jonathan I. Lunine, Lunar and Planetary Laboratory, University of Arizona, Tucson; Steve Wall, NASA Jet Propulsion Laboratory, Pasadena, Kalifornien; und andere
WWW:
Cassini-Huygens
Lunar and Planetary Laboratory, University of Arizona
Titan
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