Besorgte Menschen lesen vorschnell in Gesichtern
Dienstag, 18. Juli 2006, 12:49 • Rubrik Psychologie.
Wer ständig über seine Partner- und Freundschaften nachgrübelt, spricht besonders sensibel auf Veränderungen im Gesichtsausdruck anderer an. Entsprechende Resultate präsentieren amerikanische Psychologen im “Journal of Personality”. Allerdings neigen solche Personen dabei zu Fehlinterpretationen.
Dies sei umso bedenklicher, als die Mimik für die Wahrnehmung von bindungsrelevanter Information eine wichtige Rolle spiele, erklärt Chris Fraley von der University of Illinois, Urbana-Champaign. Seiner Ansicht nach könnte sich so ein regelrechter Teufelskreis von Miss- und Unverständnis ergeben.
Der Psychologe und seine Kollegen zeigten ihren Versuchsteilnehmern Filme, in denen ein Gesicht langsam von einem neutralen zu einem emotionalen Ausdruck wechselte oder umgekehrt. Jene Teilnehmer, die besonders viel über ihre Beziehungen nachdachten, bemerkten die Veränderung im Gesichtsausdruck deutlich schneller als ihre weniger besorgten Mitstreiter.
Ging das Gesicht zu einem emotionalen Ausdruck über, schätzten sie diesen jedoch häufiger falsch ein. Umgekehrt erzielten sie eine höhere Trefferquote, wenn sie sich den Film ebenso lange anschauen mussten wie die weniger grüblerischen Teilnehmer. “Die überhastete Wahrnehmung könnte ein Grund dafür sein, dass sehr besorgte Menschen häufiger mit Beziehungsproblemen zu kämpfen haben”, vermutet Fraley.
Forschung: R. Chris Fraley und Amanda Vicary, Department of Psychology, University of Illinois Urbana-Champaign; und andere; Veröffentlicht in “Journal of Personality”, Vol. 74(4), pp 1163-90, DOI 10.1111/j.1467-6494.2006.00406.x
WWW:
UIUC Attachment, Personality, and Emotion Lab
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