Schwache Abwehr könnte Darmentzündung begünstigen
17. Juli 2006 17:35
Wenn der Körper nur wenig Abwehrstoffe gegen Bakterien produziert, steigt das Risiko für eine chronische Darmentzündung. Darauf deuten Untersuchungen deutscher und amerikanischer Forscher hin. An Morbus Crohn erkrankte Personen weisen demnach weniger Kopien eines Gens auf, das die Information für ein körpereigenes Antibiotikum trägt.
Bei dem Abwehrmolekül handelt es sich um ein kleines Protein mit der Bezeichnung beta-Defensin-2. Patienten mit Morbus Crohn, bei denen der Dickdarm betroffen ist, besitzen pro Zelle im Mittel drei Kopien des zugehörigen Gens (HBD2). Patienten mit einer anderen Darmentzündung, der Colitis ulcerosa, oder Gesunde besitzen dagegen im Mittel vier Kopien, berichten die Forscher um Klaus Fellermann und Eduard Stange vom Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus im “American Journal of Human Genetics”.
Allein in Deutschland leiden schätzungsweise 150.000 Menschen am Morbus Crohn. Die schubweise verlaufende Entzündungserkrankung betrifft meist den unteren Dünndarm und den Dickdarm und führt unter anderem zu Schmerzen, Durchfällen und einem Nährstoffmangel. Viele Patienten müssen sich einer Darmoperation unterziehen. Warum die Erkrankung ausbricht, ist unklar. Vermutlich spielt dabei das Erbgut ebenso eine Rolle wie Umweltfaktoren.
Tatsächlich variiert mit der Kopienzahl auch die Menge der entsprechenden Blaupausen für die Proteinproduktion, fanden Fellermann, Stange und Kollegen. Nach Ansicht der Forscher könnte dies die bekannt niedrigeren Defensinspiegel der Betroffenen erklären. Und umso leichter könnten sich Bakterien in der Darmwand einnisten und die chronische Entzündung auslösen.
Forschung: Klaus Fellermann und Eduard F. Stange, Abteilung Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie, Robert-Bosch-Krankenhaus, Stuttgart; Daniel E. Stange und Bernhard Radlwimmer, Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg; und andere; Veröffentlichung im “American Journal of Human Genetics”, Vol. 79(3)
WWW:
Robert-Bosch-Krankenhaus, Stuttgart
Deutsches Krebsforschungszentrum
Kompetenznetz Darmerkrankungen
Deutsche Morbus Crohn / Colitis Ulcerosa Vereinigung e.V.
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