Klimawandel: Sommersmog im Eismeer
Freitag, 14. Juli 2006, 13:04 • Rubrik Klima, Umwelt.
Indem der Klimawandel das Nordpolarmeer schiffbar macht, könnte er der Region immense Probleme bescheren. Dazu gehört möglicherweise auch ein regelrechter Sommersmog, hat eine internationale Forschergruppe ermittelt. Die Abgase des Schiffsverkehrs könnten demnach eine Ozonbelastung hervorrufen, wie sie im Sommer in vielen Großstädten auftritt.
Die steigenden Temperaturen sorgen seit einigen Jahren dafür, dass die Seewege im Nordpolarmeer weniger stark durch Eis blockiert werden. Damit könnten sowohl die berühmt-berüchtigte Nordwestpassage, die Seeroute durch das nordamerikanische Inselarchipel, als auch die eurasische Nordostpassage zeitweise schiffbar werden. Beide eröffnen der Schifffahrt neue Anlaufpunkte und bieten günstige Alternativen zu den südlichen Routen via Panama- bzw. Suezkanal.
Claire Granier von der Université Pierre et Marie Curie in Paris und ihre Kolleginnen vom Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie und vom National Center for Atmospheric Research in Boulder führten nun Modellrechnungen durch, um mehr über die resultierende Luftverschmutzung zu erfahren. Ihren Berechnungen zufolge, könnte der Ausstoß von Stickoxiden und anderen Verbindungen aus den Schiffsmaschinen die bodennahe Ozonkonzentration in den Sommermonaten auf bis zu 130 Mikrogramm pro Kubikmeter (60 parts per billion) steigen lassen.
Gegenüber den heutigen Verhältnissen würde dies eine Verdopplung bis Verdreifachung bedeuten. Zum Vergleich: In Deutschland darf ein 8-Stunden-Mittel von 120 Mikrogramm pro Kubikmeter an höchstens 25 Tagen im Jahr überschritten werden.
Forschung: Claire Granier, Service d’Aéronomie/Institut Pierre-Simon Laplace, Université Pierre et Marie Curie, Paris; Ulrike Niemeier, Johann H. Jungclaus und Guy P. Brasseur, Max-Planck-Institut für Meteorologie, Hamburg; und andere; Veröffentlichung in “Geophysical Research Letters”, Vol. 33, L13807, DOI 10.1029/2006GL026180
WWW:
Service d’Aéronomie, UPMC Paris
MPI für Meteorologie
Bodennahes Ozon und Sommersmog
Arctic Passage
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
Empfehlen Sie den Text weiter!
Drucken






Neueste Kommentare