Erdmännchen auf Schulausflug
14. Juli 2006 |
Menschen sind nicht die einzigen Lebewesen, die ihren Nachwuchs unterrichten. Neue Belege für diese Vermutung hat ein englisches Forscherduo in Südafrika gefunden. Bei den dort lebenden Erdmännchen werden die Jungtiere von den Alttieren im Umgang mit potenziell lebensgefährlicher Beute geschult.

Jungtier mit gefährlicher Beute.
Foto: Andrew Radford/ Sophie Lanfear/ Alex Thornton/ Katherine McAuliffe
Dabei ermuntern die Alttiere den Nachwuchs und geben umso weniger Hilfestellung, je erfahrener die Jungtiere sind, berichten Alex Thornton und Katherine McAuliffe von der Universität Cambridge im Magazin “Science”. Da sich für die Lehrer schon allein durch den Zeitaufwand Kosten ergäben, erfülle dieses Verhalten eine funktionale Definition des Unterrichtens.
Wenn Erdmännchen (Suricata suricatta) auf Nahrungssuche gehen, sind sie nicht sehr wählerisch. Neben Insekten, Spinnentieren und Tausendfüßern verspeisen sie auch Vogeleier und kleine Reptilien. Dabei schrecken sie nicht einmal vor Skorpionen zurück, deren Stich einen Menschen töten könnte und die mit ihren Scheren kräftig zupacken können. Bei diesen Beutezügen sind bereits vier Wochen alte Jungtiere mit von der Partie.
Thornton und McAuliffe analysierten Beobachtungsdaten, die sie über mehrere Jahre an Erdmännchen-Kolonien in der Kalahari gesammelt hatten. Demnach reichen die Alttiere den Jungen häufig Skorpione, die sie bereits getötet oder zumindest entwaffnet haben, und beobachten sorgfältig, wie die Kleinen damit umgehen. Je älter die Jungtiere sind, desto öfter bekommen sie noch lebende Skorpione gereicht und werden bei mangelnder Motivation von ihren Aufpassern ermuntert, sich damit zu befassen.
Obwohl das Unterrichten viele Vorteile mit sich bringt, war es bislang erst einmal im Tierreich beobachtet worden, nämlich bei Ameisen. Nach Ansicht der Forscher könnte dieses Missverhältnis jedoch weniger im seltenen Auftreten begründet liegen als vielmehr in der Schwierigkeit, eine planmäßige Anleitung eindeutig nachzuweisen.
Forschung: Alex Thornton und Katerine McAuliffe, Department of Zoology, University of Cambridge; Veröffentlichung in “Science”, Vol. 313, 14. Juli 2006, pp 227-9, DOI 10.1126/science.1128727
WWW:
Large Animal Research Group, University of Cambridge
Suricata suricatta
Scorpions of Southern Africa
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Pädagogische Ameisen-Tandems



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