Wie Wärme den Schmerz dämpft

5. Juli 2006 11:47 Drucken

Wenn Bauch oder Unterleib schmerzen, kann eine Wärmflasche Linderung verschaffen. Auf den verantwortlichen Mechanismus sind britische Physiologen möglicherweise gestoßen. Wird ein Kanal in der Zellmembran durch Wärme aktiviert, wirkt er betäubend auf einen ebenfalls in der Zellmembran befindlichen Schmerzrezeptor.

“Die Wärme bewirkt nicht einfach nur ein Wohlgefühl oder einen Placeboeffekt”, erklärt Brian King vom University College London, “sie schaltet den Schmerz tatsächlich auf der Molekülebene aus, ähnlich schmerzstillenden Medikamenten.” Der Forscher und seine Kollegen präsentieren ihre Resultate jetzt auf einer Fachtagung in London.

King und seine Gruppe führten Messungen an entkernten Frosch-Eizellen durch, in die sie die DNA-Bauanleitung für den Schmerzrezeptor P2X3 bzw. den Vanilloidrezeptor TRPV1 eingeschleust hatten. Ersterer wird durch die Verbindung ATP aktiviert, wie sie aus beschädigten oder toten Zellen leckt, und löst dann einen elektrischen Strom durch die Zellmembran aus. Im Körper kann dies ein Nervensignal erzeugen, das via Rückenmark ins Gehirn gelangt.

Tatsächlich stellte sich auch im Zellmodell ein solcher Membranstrom ein, wenn die Forscher ATP zu der Kulturlösung gaben. Diese Reaktion fiel gut 70 Prozent schwächer aus, wenn sie zuvor den Rezeptor TRPV1 mit dem Chili-Inhaltsstoff Capsaicin gereizt hatten. Und da TRPV1 auch durch Hitze und andere Reize aktiviert werde, könne dies den schmerzlindernden Effekt einer Wärmflasche erklären, vermutet die Gruppe.

“Das Problem mit der Wärme ist, dass sie nur vorübergehend Linderung verschafft”, so King weiter. “Daher werden wir uns künftig auf die Identifizierung und Fortentwicklung von Wirkstoffen konzentrieren, die den P2X3-Schmerzrezeptors blockieren können.”

Forschung: Brian F. King, Min Liu, Andrea Townsend-Nicholson und Geoffrey Burnstock, Department of Physiology, Department of Anatomy & Developmental Biology und Department of Biochemistry & Molecular Biology, University College London; Präsentation 2006 Main Meeting of the Society of Physiology, London; #C35

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Kälte und Wärme gegen Schmerzen
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