Moderne Schlafdauer möglicherweise überschätzt
4. Juli 2006 10:52
Der moderne Mensch schläft noch weniger als üblicherweise angenommen. Zu diesem Schluss kommen amerikanische Forscherinnen nach einer Studie mit 669 Erwachsenen. Obwohl diese im Schnitt 7,5 Stunden im Bett verbrachten, betrug ihre tatsächliche Schlafdauer nur 6,1 Stunden.
“Die Leute meinen, dass sie zu wenig Schlaf bekommen, und tatsächlich bekommen sie noch weniger Schlaf, als sie glauben”, sagt Diane Lauderdale von der University of Chicago. Die neuen Resultate seien besorgniserregend, da Schlafmangel nicht nur die Konzentrations- und Lernfähigkeit beeinträchtige, sondern auf lange Sicht auch zur Entwicklung handfester medizinischer Probleme beitrage, beispielsweise Diabetes und Bluthochdruck.
Lauderdale und Kolleginnen analysierten die Daten von Probanden, die drei Tage und Nächte lang Bewegungssensoren am Handgelenk getragen und Buch über ihre Zubettgeh- und Aufstehzeiten geführt hatten. Demnach “verschliefen” die Teilnehmer lediglich 81 Prozent der im Bett verbrachten Zeit. Allein zum Einschlafen benötigten sie im Schnitt 22 Minuten, berichtet die Gruppe im “American Journal of Epidemiology”.
Zwar gehe die Schlafforschung davon aus, dass sich die Schlafdauer mit dem Übergang zur modernen 24-Stunden-Gesellschaft verkürzt habe, schreibt Stuart Quan von der University of Arizona in einem begleitenden Kommentar. “Gemessen an den gegenwärtigen Standards, würden die meisten Ärzte die neuen Werte jedoch als Hinweise auf Schlafmangel deuten.” Angesichts der möglichen Konsequenzen hält es der Mediziner für angebracht, die Tauglichkeit der Bewegungsdaten als Schlafindikator zu überdenken.
Früheren Studien zufolge, brachten es die Menschen noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf durchschnittlich neun Stunden Schlaf und in den 70er-Jahren auf knapp sieben Stunden pro Nacht. Angesichts der neuen Resultate müssten diese Werte jedoch mit Skepsis betrachtet werden, glaubt Lauderdale. “Unsere Studie zeigt, dass wir den früheren Befragungen nicht hundertprozentig trauen können, da Menschen nicht wissen, wie lange sie schlafen.”
Forschung: Diane S. Lauderdale und Kristen L. Knutson, Department of Health Studies und Section of Endocrinology, Department of Medicine, University of Chicago; und andere; Veröffentlichung in “American Journal of Epidemiology”, Vol. 164(1), pp 5-16, DOI 10.1093/aje/kwj199
WWW:
Department of Health Studies, University of Chicago
Das Leben im Zeitraum Tag
Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin
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