Mehr Bauchfett, höheres Darmkrebsrisiko
4. Juli 2006 17:53
Eine eher füllige Taille und eine große Körperlänge stehen mit einem höheren Dickdarmkrebsrisiko in Verbindung. Entsprechende Resultate einer groß angelegten Studie präsentiert eine internationale Forschergruppe im “Journal of the National Cancer Institute”. Ursache für den Zusammenhang könnten die schiere Zahl an Körperzellen und die Spiegel verschiedener Hormone sein.
Ein Zusammenhang zwischen Dickdarmkrebs und dem von der Fettverteilung unabhängigen Body-Mass-Index ließ sich dagegen nur Männern mit ihrer ohnehin höheren Neigung zum “Bauchspeck” herstellen, berichten die Forscher um Tobias Pischon und Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke. “Unsere Ergebnisse unterstützen die Hypothese, dass besonders die Bauchfettmenge für die Dickdarmkrebs-Entstehung entscheidend ist”, erklärt Boeing.
Pischon, Boeing und ihre Kollegen analysierten Daten aus der europäischen EPIC-Studie zum Zusammenhang von Ernährung und Krebs. Dabei berücksichtigten sie Informationen über beinahe 370.000 Männer und Frauen, die bei Studienbeginn nicht an Krebs erkrankt waren. Im Laufe von rund sechs Jahren wurde bei 984 Teilnehmern Krebs des Dickdarms (Kolon) und bei 586 Krebs des Mastdarms (Rektum) diagnostiziert.
Lediglich beim Dickdarmkrebs variierte das Erkrankungsrisiko mit den Körpermaßen, fanden die Forscher. Sowohl bei Frauen als auch bei Männern erkrankte das Fünftel mit dem höchsten Verhältnis von Taillen- zu Hüftumfang etwa 50 Prozent häufiger als das Fünftel mit den schmalsten Taillen. Ein ähnlicher Anstieg ergab sich mit der Körpergröße: Bei Frauen erkrankte das größte Fünftel fast 80 Prozent häufiger als das kleinste Fünftel, bei Männern betrug der Unterschied 40 Prozent.
“Warum eine größere Bauchfettmenge das Dickdarmkrebs-Risiko erhöht, wissen wir derzeit noch nicht”, so Boeing weiter. “Möglicherweise spielt eine mit dem Übergewicht verbundene Insulinresistenz und eine daraus folgende Insulinspiegelerhöhung eine Rolle.” Weitere denkbare Risiko-Vermittler seien die Fettgewebshormone Leptin und Adiponectin.
Forschung: Tobias Pischon, Petra H. Lahmann, Heiner Boeing und Manuela M. Bergmann, Abteilung Epidemiologie, Deutsches Institut für Ernährungsforschung, Potsdam-Rehbrücke; und andere; Veröffentlichung im “Journal of the National Cancer Institute”, Vol. 98(13), pp 920-31, DOI 10.1093/jnci/djj246
WWW:
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
EPIC
Krebsinformationsdienst des DKFZ
- Darmkrebs
Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Deutsche Bäuche sind zu dick
Magenkeim macht Fleisch riskant

















Antikörper
