Posted in: Biologie, Klima, Umwelt 4. Juli 2006 10:45 Weiter lesen →

Kohlenstoff-Transporter mit Düsenantrieb

Meeresbewohner mit Düsenantrieb könnten eine gewichtige Rolle im Kohlenstoffkreislauf der Erde spielen. Amerikanische Meeresbiologen haben ermittelt, dass tönnchenförmige Salpen große Mengen organischen Materials in tiefe Wasserschichten bringen, indem sie nahe der Meeresoberfläche das Plankton abweiden und dann hunderte Meter abwärts wandern.

Salpa aspera
Salpa aspera bildet häufig aus vielen Individuen bestehende Ketten. Auf dem Bild sticht der mit Algenpigmenten gefüllte Magen hervor. Foto: Larry Madin, Woods Hole Oceanographic Institution

Salpen besitzen nicht nur äußerliche Ähnlichkeit mit dem Triebwerk eines Düsenjets: Die nahezu transparenten und maximal faustgroßen Tiere saugen Wasser durch eine vordere Körperöffnung an, filtern Nahrungspartikel heraus und stoßen es am hinteren Körperende wieder aus. Dadurch erzeugen sie Schub, der sie vorwärts treibt.

Laurence Madin von der Woods Hole Oceanographic Institution und seine Kollegen analysierten Daten über das Auftreten der Salpen, die sie seit 1974 bei Forschungsfahrten im nördlichen Atlantik gesammelt hatten. Wie die Forscher im Fachblatt „Deep Sea Research“ berichten, fiel eine Salpenart, Salpa aspera, durch die Bildung dichter Schwärme auf. Bestehend aus Milliarden Individuen, erstreckten sich diese über Flächen von bis zu 100.000 Quadratkilometern, hatten mehrere Monate Bestand, und entfernten in acht Stunden bis zu drei Viertel des Planktons aus dem oberflächennahen Wasser.

Madin und Kollegen schätzen, dass allein mit den Kotpartikeln der Schwarmtiere täglich bis zu 4.000 Tonnen Kohlenstoff auf die Reise in die Tiefsee geschickt wurden. Und da diese kompakten Partikel mit bis zu 1.000 Metern pro Tag schnell sinken, kommt auch ein großer Teil dieses Kohlenstoffs am Meeresboden an.

Mehr noch: Salpa aspera kommt nur des Nachts an die Oberfläche und lässt sich tagsüber auf Tiefen von 600 bis 800 Metern sinken. Dadurch betätigen sich die Tiere zusätzlich als Kohlenstoff-Transporter, zumal ihre Körper nach dem Absterben ebenfalls rasch sinken.

Forschung: Laurence P. Madin, Biology Department, Woods Hole Oceanographic Institution, Woods Hole, Massachusetts; Patricia Kremer, Department of Marine Sciences, University of Connecticut, Groton; und andere; veröffentlicht in „Deep Sea Research: Oceanographic Research Papers“, Vol. 53(5), pp 804-19, DOI 10.1016/j.dsr.2005.12.018

WWW:
Woods Hole Oceanographic Institution
Salps

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Satter Krill lässt sich fallen
Schleimiger Fahrstuhl in die Tiefe

Posted in: Biologie, Klima, Umwelt
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (5 Bewertungen, im Schnitt 4,40 von 5)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.