Astronomen finden “Urklumpen”
Dienstag, 4. Juli 2006, 10:48 • Rubrik Astronomie.
Eine Galaxie im frühesten Entstehungsstadium hat eine europäische Forschergruppe möglicherweise entdeckt. In fast 12 Milliarden Lichtjahren Entfernung fanden die Astronomen einen galaxiengroßen “Klumpen”, der lediglich im Licht energetisch angeregten Wasserstoffs leuchtet.

Nur im blauen Licht um 505 Nanometer zeichnet sich der neue ‘Urklumpen’ ab. Bilder: ESO
“Wir haben die üblichen Erklärungsversuche auf diesen Klumpen angewandt – etwa die Beleuchtung durch eine Galaxie mit einem aktiven Kern oder aber, dass es sich um eine Galaxie mit einer irrwitzigen Sternentstehung handelt”, erklärt Kim Nilsson von der Europäischen Südsternwarte in Garching. Jedoch sei keine dieser Erklärungen mit den Beobachtungsdaten vereinbar. “Daher lässt sich vermuten, dass die Wasserstoff-Emissionen von urtümlichem Gas stammen, welches auf einen Klumpen Dunkler Materie zu stürzt.
Das von Nilsson und Kollegen beobachtete Objekt ist etwa 11,6 Milliarden Lichtjahre von der Sonne entfernt – irdische Astronomen sehen es daher zu einer Zeit, als das Universum kaum ein Achtel seines heutigen Alters erreicht hatte. In den letzten Jahren waren mehrere ähnliche “Blobs” entdeckt worden, deren genaue Natur bis heute unklar ist.
Die Forscher nutzten eines der ESO-Großteleskope in Chile, um einen besonders intensiv studierten Ausschnitt des südlichen Sternhimmels zu erkunden. Der neue “Blob” zeichnet sich auf einer mehr als acht Stunden belichteten Aufnahme bei Wellenlängen um 505 Nanometer ab. Aufgrund der Ausdehnung des Universums entspricht dies einer ursprünglichen Wellenlänge von rund 120 Nanometern. Bei dieser Wellenlänge strahlen energetisch angeregte Wasserstoffatome.
Mit einem Durchmesser von etwa 200.000 Lichtjahren ist das Objekt zweimal größer als unsere Milchstraße und strahlt eine Leistung entsprechend zwei Milliarden Sonnen ab. Das tut es jedoch ausschließlich als Wasserstoff-Emission, ergaben weitere Beobachtungen und Vergleiche mit früheren Untersuchungen. Nilsson und Kollegen vermuten daher, dass sie es mit einem Klumpen Dunkler Materie zu tun haben, der immer mehr normale Materie aus der Umgebung anzieht und so das Fundament für eine strahlende Galaxie legt.
Forschung: Kim K. Nilsson, Johan P.U. Fynbo, Palle Møller, Jesper Sommer-Larsen und Cédric Ledoux, European Southern Observatory, Garching und Santiago de Chile, und DARK Cosmology Centre, Niels Bohr Institute, University of Copenhagen; Veröffentlichung in “Astronomy & Astrophysics”, Vol. 452, L23-L26, DOI 10.1051/0004-6361:200600025
WWW:
ESO Very Large Telescope
Lyman Series
The Great Observatories Origins Deep Survey
Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Frühe massereiche Galaxie entdeckt
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
Empfehlen Sie den Text weiter!
Drucken






Neueste Kommentare