Posted in: Biologie, Genetik 3. Juli 2006 14:01 Weiter lesen →

Entspannt zur Hunde-Vielfalt

Erst das Zusammenleben mit dem Menschen ermöglichte dem Hund die Aufspaltung in viele unterschiedliche Rassen. Für diese Ansicht sprechen Untersuchungen, die eine schwedische Biologin und ihre Kollegen im Fachblatt „Genome Research“ vorstellen. Das Erbgut des Hundes weist demnach einen größeren Variationsspielraum auf als das der wilden Verwandtschaft.

Dieser große Spielraum eröffnete sich erst mit der Domestizierung des Wolfes, erläutert Susanne Bjönnerfeldt von der Universität Uppsala. „Beispielsweise mussten Hunde sich ihre Nahrung nicht mehr mühsam erjagen, nicht mehr der stärkste im Rudel sein, um sich fortpflanzen zu können, und nicht mehr im Freien in der Kälte schlafen.“

Spuren dieses vergleichsweise entspannten Lebensstils fanden Bjönnerfeldt und Kollegen in den Mitochondrien, den Zellkraftwerken der Tiere. Für ihre Studie sequenzierten sie das Mitochondrien-Erbgut von 14 Hunden, sechs Wölfen und drei Kojoten. Bei ersteren stellen sich demnach sehr viel rascher Mutationen ein, die sich auch auf das zugehörige Protein und seine Funktion auswirken, ermittelte die Gruppe. Ähnliche Veränderungen wurden bei Wölfen und Kojoten vermutlich nicht so häufig beibehalten, da die Mitochondrien dieser Tiere stets in einem engen Leistungsbereich arbeiten müssen.

Die neuen Resultate ließen vermuten, „dass eine wichtige Folge der Domestizierung des Hundes ein allgemeines Nachlassen selektiver Zwänge in ihrem Mitochondrien-Genom war“, folgert die Gruppe. Möglicherweise habe diese Veränderung auch andere Teile des Hundegenoms betroffen. Die resultierende Diversität könnte dann „das Rohmaterial bereitgestellt haben, aus dem die züchterische Auslese die heutigen Hunderassen geformt hat“.

Forschung: Susanne Björnerfeldt, Matthew T. Webster und Carles Vilà, Institutionen för evolution, genomik och systematik, Uppsala universitet; Veröffentlichung in „Genome Research“, DOI 10.1101/gr.5117706

WWW:
Evolutionsbiologiskt centrum, Uppsala universitet
– Animal Domestication
Mitochondriale DNA
Domestizierung
Wie der Wolf ins Haus kam

Lesen Sie dazu im Scienceticker (alte Version):
Wenige Gene machen zahm
Sequenziert: Der Hund

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