Leichte Zigaretten erleichtern die Sucht
30. Juni 2006 | Druckversion
Wer “leichte” Zigaretten raucht, kommt schwieriger vom Tabak los. Das haben eine amerikanische Medizinerin und ihre Kollegen ermittelt. Demnach scheinen viele Raucher nur deshalb nicht mit dem Rauchen aufzuhören, weil sie Zigaretten mit niedrigem Nikotin- bzw. Kondensatgehalt als weniger gesundheitsschädlich ansehen.
Der Effekt sei das genaue Gegenteil von dem erhofften, erläutert Hilary Tindle von der University of Pittsburgh. Weil die Raucher sich mit leichten Zigaretten in Sicherheit wähnten, erhöhten sie ihr Risiko für Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. “Mehr noch: Indem sie älter werden, schwinden ihre Chancen, mit dem Rauchen aufzuhören.”
Tindle und ihre Kollegen analysierten Daten von 12.285 Rauchern, die im Rahmen einer groß angelegten Gesundheitsbefragung unter anderem Auskunft über ihre bevorzugte Marke gegeben hatten. Gut ein Drittel der Befragten, vor allem weiße Frauen mit hohem Bildungsniveau, rauchten demnach leichte Zigaretten. Die Wahrscheinlichkeit, mit dem Rauchen aufzuhören, war für diese Gruppe nur etwa halb so hoch wie für die übrigen Raucher, berichten die Forscher im “American Journal of Public Health”.
Der Effekt war umso ausgeprägter, je älter die Befragten waren: Mindestens 65 Jahre alte Leicht-Raucher hörten sogar 76 Prozent seltener mit dem Rauchen auf als ihre Altersgenossen, die andere Zigaretten rauchten.
Allein in den Vereinigten Staaten zeichne dieser Effekt für etwa 30 Millionen zusätzliche Raucher verantwortlich, schätzen Tindle und Kollegen. Daher schlagen sie vor, Hausärzte sollten ihre Patienten gezielt über die Gefahren “leichter” Zigaretten informieren. Mehrere Studien hätten gezeigt, dass Raucher solcher Zigaretten letztlich kaum verringerten Mengen gesundheitsschädlicher Stoffe ausgesetzt seien. Dementsprechend wiesen sie ein ähnliches Risiko für durch Tabak bedingte Erkrankungen auf wie andere Raucher anderer Zigaretten.
Forschung: Hilary A. Tindle, Department of Society, Human Development, and Health, Harvard School of Public Health, Boston, Massachusetts, und Division of General Internal Medicine, University of Pittsburgh; und andere; Veröffentlichung in “American Journal of Public Health”
WWW:
General Internal Medicine, University of Pittsburgh
Rauchfrei 2006
Lesen Sie dazu im Scienceticker (alte Version):
Unplanmäßige Rauch-Stopps erfolgreicher
Rauchen: Weniger hilft wenig
Leichte Filterzigaretten sind nicht “gesünder”



Antikörper