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Ungeahnte Vielfalt im Blätterdach

29. Juni 2006 | Druckversion

Die Blätter der Pflanzen fungieren nicht nur als biologische “Solarzellen”, ihre Oberfläche stellt auch einen Lebensraum von immensen Ausmaßen dar. Brasilianische und amerikanische Forscher haben nun versucht, die mikrobielle Vielfalt in diesem Lebensraum zu schätzen. Allein in den Küstenregenwäldern Brasiliens könnten demnach bis zu 13 Millionen unbekannte Arten von Bakterien leben.

Dabei scheint jede Pflanzenart ihre ganz persönliche Bakterienflora zu tragen, schreiben die Forscher um Márcio Lambais von der Universität São Paulo im Magazin “Science”, mit nur minimalen Überlappungen. Schon allein aus der Zahl von schätzungsweise 20.000 Pflanzenarten in den Regenwäldern der Atlantikküste ergebe sich damit eine enorme Vielfalt an Bakterien.

Lambais und Kollegen analysierten DNA, die sie von den Blättern dreier Baumarten gewonnen hatten. Aufgrund der Sequenzierung von 418 Genfragmenten schätzen sie, dass auf den Blattoberflächen mindestens 95 bis 671 unterschiedliche Bakterienarten leben. Fast 97 Prozent der DNA-Sequenzen gehörten zu bislang unbekannten Arten, lediglich 0,5 Prozent waren nicht auf eine Baumart beschränkt.

Die Forscher schätzen, dass allein in den Küstenregenwäldern 2 bis 13 Millionen noch unbekannte Bakterienarten leben. Eine ähnliche Vielfalt wird in den Weltmeeren mit insgesamt etwa 2 Millionen und im Erdreich mit bis zu 4 Millionen Arten pro Tonne Boden vermutet. Nun gelte es, mehr über diese unerforschte Vielfalt und ihre Wechselwirkungen mit ihren Gastgebern zu erfahren, schließen Lambais und Kollegen.

Forschung: Márcio R. Lambais, Departamento de Ciência do Solo, Universidade de São Paulo; David E. Crowley, Department of Environmental Sciences, University of California, Riverside; und andere; Veröffentlichung in “Science”, Vol. 312, 30. Juni 2006, p 1917, DOI 10.1026/science.1124696

WWW:
Departamento de Ciência do Solo, USP
Blattaufbau
Atlantic Forest

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