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Mangroven als Kohlenstoffpumpe

29. Juni 2006 | Druckversion

Mangroven fungieren im Kohlenstoffkreislauf der Erde als eine Art Turbolader. Das zeigen Untersuchungen, die eine deutsch-amerikanische Forschergruppe vor Brasilien durchgeführt hat. Obschon Mangrovenwälder kaum 0,1 Prozent der Landoberfläche bedecken, gehen demnach mehr als 10 Prozent des vom Land in die Meere gelangenden gelösten Kohlenstoffs durch sie hindurch.

Mangroven
Mangrove in Nordbrasilien. Foto: ZMT

Vor diesem Hintergrund erscheine die fortschreitende Abholzung der Mangrovenwälder umso bedenklicher, glauben die Forscher um Rubén Lara vom Zentrum für Marine Tropenökologie in Bremen. In den letzten Jahrzehnten sei mehr als ein Drittel der Mangrovenwälder zerstört worden, um Platz für Städte, landwirtschaftliche Flächen und Garnelenzucht zu schaffen. Dies könne das irdische System der Kohlenstoffflüsse zusätzlich stören.

Die Mangrovenwälder der Gezeitenzone und ihre Fauna sind in einzigartiger Weise an die tägliche Überflutung mit Salzwasser angepasst. Zudem gehören sie zu den produktivsten Ökosystemen der Erde: Die Bäume bilden enorme Massen an Blättern, die nach dem Abfallen im schlammigen Untergrund zersetzen. Ein Großteil dieses kohlenstoffhaltigen Materials wird von der Flut regelmäßig ins Meer gespült. Ein gewisser Teil wird dort durch die Sonnenstrahlung und durch Organismen zersetzt, der Rest ist der Atmosphäre über Jahrzehnte bis Jahrhunderte entzogen.

Lara und Kollegen führten nun Isotopen- und Kernspin-Messungen an Wasserproben von der nordbrasilianischen Küste durch. Dabei fanden sie, dass überraschend große Mengen organischen Kohlenstoffs in löslicher Form ins Meer gelangen. Die Forscher schätzen, dass pro Jahr rund 26 Millionen Tonnen Kohlenstoff aus den Mangrovenwäldern der Erde ausgewaschen werden. Indem sich die Mangroven als biologische Kohlenstoffpumpe betätigen, tragen sie dazu bei, dass weit weniger CO2 in die Atmosphäre gelangt, als man aufgrund der menschlichen Emissionen erwarten könnte.

Forschung: Thorsten Dittmar, Department of Oceanography, Florida State University, Tallahassee; Norbert Hertkorn, Institut für Ökologische Chemie, GSF Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit, Neuherberg; Gerhard Kattner, Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, Bremerhaven; Rubén J. Lara, Zentrum für Marine Tropenökologie, Bremen; veröffentlicht in “Global Biogeochemical Cycles”, Vol. 20, GB1012, DOI 10.1029/2005GB002570

WWW:
Zentrum für Marine Tropenökologie, Bremen
Lebenskünstler auf salzigem Grund

Lesen Sie dazu im Scienceticker (alte Version):
Mangrovenwälder schützen Jungfische

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